Bennis Wühlkiste

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Dienstag, 8. Mai 2018 26° 2

Bennis Wühlkiste Live

Lesen bedeutet für mich, die Seele auf Reisen zu schicken. Schon Oscar Wilde wusste: "Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, sonst nichts." Gleiches gilt für Hörbücher oder DVDs. In meinem Blog finden Sie Rezensionen über Neuerscheinungen und ältere Titel.

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    Tomb Raider - ja, passt!
     
    Oscarpreisträgerin  Alicia Viaknder tritt in die Fußstapfen von Angelina Jolie 15 Jahre nach dem letzten „Tomb Raider“-Film kehrt Lara Croft zurück. Diesmal mit einem harten Survival-Abenteuer, in dem die Hintergrundgeschichte der mutigen Archäologin erzählt wird. Im Prequel von 2018 ist Lara noch eine unerfahrene Abenteurerin, die sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater begibt.
     
    Abbildung: Warner Home Video
     
    Angelina Jolie hat es vor mehr als 15 Jahren vorgemacht: Als Lara Croft machte sie in "Tomb Raider" Jagd auf verschollene Schätze und kämpfte gegen finstere Gestalten. Nun kommt eine Neuauflage der legendären Computerspiel-Verfilmung in die Kinos. In die Fußstapfen von Jolie tritt ein in Deutschland noch eher unbekannter Hollywood-Star: Alicia Vikander (29). Die schwedische Oscar-Preisträgerin ("The Danish Girl") zeigt sich als würdige Nachfolgerin.
     
    Junge und störrische Lara
     
    "Tomb Raider" 2018 setzt bei einer jungen und störrischen Lara Croft an, die auf die Vorzüge ihres reichen Elternhauses verzichten will. Stattdessen schlägt sie sich als Fahrradkurierin durch. Ihre Leidenschaft: Kampfsport. Ohne klares Lebensziel streift die junge Frau durch die bunten Trendviertel von London.
    Das Verschwinden ihres Vaters (Dominic West) vor sieben Jahren macht ihr immer noch zu schaffen und wirft Lara aus der Bahn. Der exzentrische Abenteurer ist von einer Expedition nicht mehr zurückgekehrt und wurde deshalb für tot erklärt. Damit will sich Lara aber nicht abfinden, sie lehnt das Erbe ihres Vaters ab und will das Rätsel um seinen angeblichen Tod lösen.
    In seinem Nachlass sucht sie nach Antworten und findet eine Karte, die sie zu seinem letzten Zielort führt: einem Grabmal auf einer Insel vor der japanischen Küste. Ein Ort, auf dem ein dunkles Geheimnis lastet und nach dem nicht nur sie sucht.
     
    Unzählige Unwägbarkeiten
     
    Craft muss sich gegen Kontrahenten behaupten, die es auch auf die Grabstätte abgesehen haben und dabei unzählige Unwägbarkeiten meistern. Dabei hilft ihr nicht nur ihr Mut, sondern auch ihr Verstand. Und trotzdem kommt sie oft genug an ihre Grenzen - im Gegensatz zu Jolie, die in ihren zwei "Tomb Raider"-Verfilmungen aus den Jahren 2001 und 2003 als übermenschliche Superheldin inszeniert wurde. Vikanders eher moderne Darstellung der Videospielheldin dagegen ist auch gezeichnet von Zweifeln und Schwächen - was sie zu einer durchaus besseren Identifikationsfigur macht.
     
    Optisch verändert
     
    Auch optisch hat sich Lara Croft in der Neuauflage verändert. Die Croft-typischen kurzen Hosen, das grüne Tanktop und die zwei Pistolen um die Oberschenkel sind passé. Craft kämpft nun mit Pfeil und Bogen gegen ihre Feinde. Verlassene Grabstätten erkundet sie in vernünftiger Outdoor-Kleidung statt in hautengen Klamotten.
    Die großen Hollywood-Stars sind in der ganzen Produktion nicht wirklich zu finden - was dem Film nicht schadet. Im Gegensatz zu den Figuren lässt die Handlung an der einen oder anderen Stelle zu wünschen übrig. Zu viele glückliche Zufälle sorgen dafür, dass Lara nicht erschlagen, erschossen oder aufgespießt wird. Eine Fortsetzung scheint nicht ausgeschlossen.
     
    Paradigmenwechsel
     
    Im aktuellen Zeitgeist von Hollywood, der einen Paradigmenwechsel der Rolle von Frauen in Filmen zumindest verspricht, ist die neue Leinwand-Lara nämlich eigentlich die richtige Actionheldin, zur richtigen Zeit - nur leider in einem nicht ganz so tollen restlichen Film.  (Bakmaz/Neumaier)
     
    Tomb Raider (Alicia Vikander)Spieldauer: 113 Minuten; Produktionsjahr: 2018; ; Warner Home Video; FSK: ab 12 Jahren; DVD: 11,99 Euro; Bluray: 14,99 Euro:
     
    Gewinnspiel:
    Wer eine Bluray von Tomb Raider gewinnen möchte sendet eine E-Mail mit dem Betreff "Tomb Raider", seinem vollen Namen, Adresse und Telefonnummer an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de
    Einsendeschluss ist der 16. August 2018, 10.00 Uhr. Der rechtsweg sit ausgeschlossen, der Gewinenr wird benachrichtigt.
     

    Ottfried Preussler: Der vierte Streich - Hotzenplotz und die Mondrakete

     

    Ein neues Abenteuer vom Hotzenplotz aus den Anfängen seiner Räuberkarriere, für Kinder ab 6 Jahren. Ursprünglich von Otfried Preußler als Puppenspiel geschrieben, wiederentdeckt und zur Vorlesegeschichte ergänzt von Susanne Preußler-Bitsch. Üppig und in Farbe illustriert.

    Wachtmeister Dimpfelmoser steht der Schweiß auf der Stirn. Grund dafür: Der berüchtigte Räuber Hotzenplotz ist mal wieder ausgebrochen. Was für eine Katastrophe! Denn jeder weiß: Der Räuber Hotzenplotz ist der gefährlichste Räuber im ganzen Landkreis. Seppel und Kasperl sind fest entschlossen, den Räuber wieder einzufangen – und haben eine grandiose Idee. Sie wollen ihn ein für allemal auf den Mond schießen!

     

    Abbildung: Thienemann
     
    Vor über 50 Jahren schuf Otfried Preußler mit dem "Räuber Hotzenplotz" ein weltweit erfolgreiches Kinderbuch. Die Geschichte um den Kampf von Kasperl und Seppel mit dem gefährlichen Räuber und dem bösen Zauberer Zwackelmann schrieb Preußler eigentlich zur eigenen Abwechslung. Fünf Jahre nach Preußlers Tod, erschien im Thienemann-Esslinger Verlag ein neuer Band: "Hotzenplotz und die Mondrakete".
     
    Während die Geschichte nicht vollends überzeugen kann (die Sprache ist etwas altbacken, es ist von "Buben" und "Faulpelz" die Rede, der Plan wird dem Leser als großes Geheimnis verkauft und das Tempo der Umsetzung ist etwas behäbig), beeindrucken die Illustrationen von Thorsten Saleina umso mehr. Er hat das Aussehen aller Figuren übernommen und behutsam weiterentwickelt. Waren die Ur-Illustrationen in den alten Räuber-Hotzenplotz-Büchern Schwarz-Weiß, so sind sie nun bunt. Und das ist großartig. Es sind witzige Zeichnungen mit einer Liebe zum Detail - wunderbar klar und kindgerecht.
     
    Ottfried Preußler hatte wohl seine Gründe, die Geschichte mit der Mondrakete als reines Kaspertheaterstück zu belassen und sie nicht zu einer größeren Geschichte auszubauen. Dennoch: Alleine, dass es wieder ein Buch rund um Kasperl, Seppl und den Räuber Hotzenplotz gibt, und somit Kindheitserinnerungen wieder auffrischt, ist doch toll. ich habe mir auch gleich die ersten drei Bücher nochmal vorgenommen. und die sind weiterhin einsame Klasse!
     
    Ottfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Ab 6 Jahre, gebundene Ausgabe, 64 Seiten, Verlag: Thienemann, 12,00 Euro.
    ISBN: 978-3-522-18510-3
     
    Codex Alera 4: Der Protektor von Calderon
     
    Die Armee der wolfsähnlichen Canim marschiert in Alera ein und treibt die Menschen immer weiter zurück. Tavi und die erste aleranische Legion versuchen, sie aufzuhalten, aber der junge Kommandeur verfügt über viel zu wenig Soldaten. Endlich trifft Verstärkung ein, doch anstatt ihn für seine Verdienste zu belohnen, wird Tavi des Befehls enthoben. Verzweifelt bemüht er sich dennoch, das Schlimmste für seine Männer zu verhindern. Dabei ahnt er nicht, dass sein Tod längst beschlossene Sache ist.
     
    Abbildung: Heyne
     
    Butcher hält das Tempo hoch. Immer mehr Handlungsfäden werden entworren, immer mehr vervollständigt sich das Bild hinter den Kulissen der macht in Alera - und das mit mächtig Speed und durchgedrücktem Gaspedal.
     
    Alle Handlungsstränge der unterschiedlichen Personen sind so spannend, dass man nie traurig ist, wenn bei einem Kapitel plötzlich der Hauptprotagonist gewechselt wird - die Geschichte nimmt einfach an einer anderen Stelle ihren Lauf, ohne an Schwung einzubüßen. Die Entwicklung der Charaktere ist überzeugend und lässt mich durch die intensiven Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonisten jede Handlung nachvollziehen. Alles wirkt authentisch und logisch - nichts wird dem Zufall überlassen. Der Autor hat hier eine realistische Welt mit philosophischem Hintergrund geschaffen, der zwar auch im Hintergrund bleibt, aber auch zum Nachdenken anregen kann.
    Die Entscheidungen, die die Figuren treffen müssen, sind alles andere als einfach und sie sind immer in Konflikt mit ihren persönlichen Werten und dem Einfluss, den sie mit jedem kleinen Entschluss treffen.
    Vor allem der Erste Fürst wird hier zu einer bitteren Maßnahme gezwungen, deren Folgen nicht einmal er selbst absehen kann. Und auch die Canim werden als Rasse nun weitaus klarer definiert - vielschichtig und tiefgängig. Kompliment für die Entwicklung dieser Gattung an Jim Butcher.  
     
    Eine genial durchdachte Story, die in einer perfekt inszenierten magischen Welt spielt. Der Zauber der Elementare hat seit Band 1 nichts von seiner Faszination eingebüßt!
     
    Jim Butcher: Codex Alera 4 - Der Protektor von Calderon. Taschenbuch, Klappenbroschur, 608 Seiten, Verlag: Blanvalet; 10,99 Euro
    ISBN: 978-3-7341-6043-1
     
     
     
     
     
    Simon Scarrow: Imperator
     
    Rom, A.D. 55: Kaiser Claudius ist tot, auf dem Thron regiert der grausame Nero. Als Präfekt Cato und Centurio Macro von einem Feldzug zurückkehren, finden sie Rom im Chaos vor. Denn auch Neros Rivale Britannicus giert nach dem Thron. Verzweifelt versuchen Cato und Macro, eine Armee von tapferen, loyalen Kämpfern zusammenzustellen. Doch in dem Machtkampf, der nun entbrennt, droht Rom in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Für die beiden Blutsbrüder beginnt ein Kampf, bei dem nicht nur ihr Leben, sondern die Zukunft des römischen Reiches auf dem Spiel steht …
     
    Abbildung: randomhouse.de
     
    Der Kaiser ist tot, es lebe der Kaiser. Nero sitzt nach Claudius nicht ganz freiwilligem Tod auf dem Thron, der Freigelassenen Pallas lenkt ihn in weiten Teilen. Zudem ist seine Herrschaft nicht gesichert, ist er doch lediglich der Adoptivsohn des  Kaisers, dessen leiblicher Spross Britannicus scharrt mit den Hufe. Hinter diesem schart sich eine bunte Mischung aus Gegnern Neros, bestehend alten Anhängern der Republik, machthungrige Aristokraten, Militärs und nicht wenige Senatoren. Macro und besonders Cato, als Befehlshaber einer ganzen Prätorianerkohorte, können sich diesem Konflikt kaum entziehen.
     
    Innovatives Setting also, aber leider oft eindimsionale Charaktere. Die Bösewichter sind durchweg intrigante, machtgeile Opportunisten. Einige, zwiespältige Charaktere, die vielleicht wirklich an die Republik oder an ihren Kaiseranwärter glauben, und so etwas an Tiefe gewinnen, sind sehr selten. Auch scheint Cato wieder einmal das militärische Ausnahmegenie zu sein und der einzige fähige Kopf Roms.
    Wendungen gibt es reichlich, manche vorhersehbar, andere weniger. Simon Scarrow bricht  aus den üblichen Schemata der Rom Serie aus und versucht neue Akzente zu setzen - was in Ansätzen gelingt. 
     
    Letztlich zeigen sich aber auch in Band 16 - trotz neuen Setting - Abnutzungserscheinungen. Pallas ist nichts anderes als ein Narcissus in grün.
     
    Gute Ansätze, guter Roman,Unterhaltung, aber auch nicht mehr. Fans der Serie greifen sowieso zu.
     
    Simon Scarrow: Imperator. Aus dem Englischen von Norbert Jakober, Taschenbuch, Broschur, 544 Seiten, Verlag: Heyne;  9,99 Euro.
    ISBN: 978-3-453-47149-8
    Jim Butcher: Codex Alera 3 - Die Verschwörer von Kalare
     
    Tavi, der junge Spion in Diensten des Ersten Fürsten, schleicht sich in die Armee von Kalare ein, denn ein Bürgerkrieg scheint unausweichlich, und der Fürst von Kalare ist der mächtigste Gegenspieler des rechtmäßigen Herrschers von Alera. Durch Mut und viel Glück steigt Tavi schnell auf, bis er eine ganze Legion befehligt. Da landet eine gewaltige Streitmacht der wolfsähnlichen Canim an der Küste Aleras – und nur Tavi und die Soldaten, die er eigentlich ausspionieren soll, können sie aufhalten …
     
     
    Abbildung: Blanvalet
     
    Wie gewohnt fällt unseren Helden das Happy End nicht in den Schoß. Auch die Erzählweise mit Hilfe mehrerer Erzählstränge ist bewährt und wird von Butcher gnadenlos durchgezogen.
    Das große Metaplot-Ereignis ist die Rebellion des schon in Band 2 eingeführten Bösewichts, des Fürsten von Kalare, der gemeinsame Sache mit den fremdartigen Canim macht, um Kaiser Gaius vom Thron zu stürzen.
     
    Handlungsstrang teilt sich schnell auf

    Ein Handlungsstrang teilt sich schnell in zwei, denn Isana, Amara und Bernard befinden sich mitten in der Attacke der Verschwörer aus Kalare und müssen sich schnell trennen. Während Isana zurückbleibt, um den verletzten Faede zu heilen machen sich Amara und Bernard gemeinsam mit eher unerwarteten „Verbündeten“ auf, um direkt in der Höhle des Löwen Geiseln zu befreien, um es zwei neutralen Herrschern zu ermöglichen, dem Feind des Imperiums wirkungsvoll entgegentreten zu können.
    Gerade der Subplot mit Isana und Faede dient vor allem dazu, alte Fäden aufzunehmen, weiterzuspinnen und teils zu einem sinnvollen Ende zu bringen – wir erfahren einiges über die Geschichte der beiden und den Hintergrund des jungen Tavi.

    Gigantische Verteidigungsschlacht

    Apropos Tavi – der erhält den weitaus größten und spannendsten Handlungsstrang. Gemeinsam mit seinem Kumpel Max (später stoßen auch Ehren und Kitai dazu) wird er als Kursor einer Legion zugewiesen, die eigentlich eher politische Zwecke verfolgt und eigentlich nie in wirkliche Kämpfe verwickelt werden soll. Wie man es nicht anders erwartet hat, ist das natürlich nicht der Fall und so findet sich Tavi nicht nur inmitten einer gigantischen Verteidigungsschlacht gegen die Invasionsflotte der Canim, sondern gleich auch noch an der Spitze besagter Legion, die eigentlich nur aus unerfahrenen „Fischen“ und Spionen besteht. Natürlich macht er seine Sache als Notnagel mehr als gut und seine Ludus-Matches gegen Cane-Botschafter Varg zahlen sich mehr als aus.

    Großartiger Serienteil

    Chapeau! Die Handlung ist klasse, die Personen wachsen einem mehr und mehr ans Herz, die Balance zwischen Kämpfen, Intrigen und Romantik stimmt. Viel besser geht es im Rahmen einer Serie nicht – und jetzt her mit Teil 4!

    Jim Butcher: Codex Alera 3 - die Verschwörer von Kalare. Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg  Taschenbuch, Klappenbroschur, 640 Seiten, Verlag: Blanvalet; 10,99 Euro.
    ISBN: 978-3-442-26412-4

     

     

    Dmitry Glukhovsky: Sumerki - Dämmerung

    Merkwürdige Dinge geschehen in Moskau. Der Übersetzer Dmitrij Alexejewitsch wird von einem anonymen Auftraggeber gebeten, einen Bericht spanischer Konquistadoren aus dem Jahre 1562 ins Russische zu übertragen. Reine Routine, denkt Dmitrij, doch plötzlich werden die in diesem Text geschilderten Ereignisse Teil seiner Realität: Er hört den Schrei eines Jaguars, findet rätselhafte Kratzspuren an seiner Tür, und ihm nahestehende Menschen kommen auf groteske Weise zu Tode. Verliert er den Verstand – oder kündet sich mit dem Bericht der Konquistadoren womöglich das Ende der Welt an? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

     

    Abbildung: Heyne
     
     
    Glukhovskys Werk ist ein Roman zwischen den Genres der Fantastik und des Kriminalromans mit philosophisch-dramatischen Passagen. Hier verschmilzt die Grenze zwischen Realität und Fiktion immer mehr und das macht den Reiz des Buches aus. Man bekommt viele Andeutungen und Hinweise und wird als Leser geradezu in akribischer Feinarbeit zum Detektiv bevor einem der ungewöhnliche Schluss präsentiert wird. 

    Die Geschichte ist rasch erzählt: Ein Übersetzer gerät an Teile eines mysteriösen Tagebuches, das eine spanische Expedition zur Maya-Zeit beschreibt, bei der nach einem mysteriösen Schatz gesucht wird und immer mehr Teilnehmer sich in Komplotte verstricken, dem Wahnsinn verfallen oder in seltsamen Unfällen ihr Leben lassen. Gleichzeitig gerät auch die moderne Welt des Übersetzers aus den Fugen: Er erfährt von dem mysteriösen Verschwinden seines Vorgängers, ein Mittelsmann von ihm wird ermordet, seine ahnungslose Nachbarin wird Opfer einer nächtlichen Attacke. Ihn Plagen mysteriöse Träume, nächtliche Besuche seltsamer Kreaturen und er entdeckt unerforschte Passagen mitten in der Moskauer Innenstadt. Je weiter der Übersetzer sich wagt, desto mehr zweifelt er an seinem Verstand. 

    Der Autor hat Tendenz zu langen Bandwurmphrasen. Er hat Tendenz zu ausschweifenden Detaillierungen. Nach Kapiteln, in denen geradezu nichts geschieht, kommen andere Kapitel, in denen sich Ereignisse geradezu überschlagen. Die Übersetzungspassagen des Schriftstückes, das der Protagonist studiert, sind ungewöhnlich verfasst mit seltsamen Satzstrukturen und mal sehr altertümlichen, dann fast schon jugendhaften Passagen. Aber genau das wirkt authentisch.

    Man braucht eine Weile sich an diesen Stil zu gewöhnen, aber die Geduld wird mit der Entdeckung eines ungewöhnlichen Rohdiamanten belohnt, der einerseits ein wahrer Seitenfresser ist, das Ende aber - mein rein subjektive Meinung - zuerst spektakulär, dann aber doch unbefriedigend (aber auch irgendwie passend) endet.
     
    Dmitry Glukhovsky: Sumerki. Aus dem Russischen von M. David Drevs, Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, Verlag: Heyne; 9,99 Euro
    ISBN: 978-3-453-31759-8
     
    Anthony Riches: Festung der Tausend Speere - nicht der Renner!
     
    Die römischen Legionen haben die britannischen Barbarenhorden von Häuptling Calgus vernichtend geschlagen. Doch zuvor konnte Calgus den römischen Befehlshaber erschlagen und fliehen. Marcus Valerius, genannt Zwei-Klingen, folgt dem Häuptling, um den Tod seines Freundes zu rächen. Dabei ahnt er nicht, dass er selbst gejagt wird. Der Vater eines Verräters, den Marcus Valerius getötet hat, sinnt auf Rache und hat ihm Meuchelmörder hinterhergesandt. Tief im Feindesland treffen Jäger und Gejagte endlich aufeinander. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt...
     
    Abbildung: Blanvalet
     
     
    Der dritte Band von Anthony Riches' Empire-Serie, die hierzulande offenbar keine großen Erfolge erzielt hat, beschließt für mich die Empire-Serie: Zum einen hat es zwei Jahre gedauert, bis dem zweiten der dritte Teil folgte. Zum anderen ist Blanvalet davon abgekommen, die Reihe unter seinem Label Penhaligon im Paperback-Format herauszubringen, das einiges hermacht. Teil 3 ist ein schnödes Taschenbuch, das sich im Regal nicht besonders schön neben den beiden ersten großformatigen Bänden ausnimmt. Zum anderen ist es inhaltlich einfach nicht mein Ding.

    Von Teil 1 war ich noch sehr angetan, von Band zwei schon weniger und nun hat mir band 3 - auf bairisch gsagt - "as Kraut ausgschütt".

    Es geht mit Kampf los, und im Laufe des Romans folgen noch viele weitere Kämpfe. Aber einmal mehr hat es sich erwiesen, dass Krieg und Kampf auch in einem historischen Abenteuerroman nicht alles sind. Es fehlt das gewisse Etwas. Die Charaktere bleiben blass und Stimmung will bei mir einfach nicht aufkommen, obwohl der Autor sich durchaus auskennt und alles akkurat schildert. Aber das ist eben auch nicht alles. Simon Scarrow macht mit seiner Adler-Serie vor, wie es gehen kann - auch wenn ich auch da den einen band besser, den anderen schlechter fand. Aber eben insgesamt auf einem anderen Niveau.
     
    Anthony Riches: Die Festung der Tausend Speere. Aus dem Englischen von Wolfgang Thon , Verlag: Blanvalet; Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 9,99 Euro.
    ISBN: 978-3-7341-0560-9
    Codex Alera 2 - Im Schatten des Fürsten
     
    Zwei Jahre sind seit der gescheiterten Invasion der Marat vergangen. Und während Tavi dem Ende seiner Ausbildung zum kaiserlichen Spion entgegenfiebert, droht Alera bereits neue Gefahr. Denn ausgerechnet als Kaiser Gaius Sixtus schwer erkrankt und die Mächtigen des Reichs ihre Intrigen vorantreiben, bewegen sich die Furcht erregenden Vord auf die Hauptstadt zu – uralte Schreckensgestalten, für deren Wiedererweckung auch Tavi mitverantwortlich ist …
     
    Abbildung: Blanvalet
     

    Jim Butcher dreht die in Teil 1 eingeführten Personen weiter durch den Fleischwolf und man kommt kaum zum Luftholen. In drei großen Handlungssträngen pflügt die Handlung nach einer krankheitsbedingten Ohnmacht von Kaiser Gaius Sixtus ungebremst durch den Roman:


    Der simpelste Handlungsstrang mit den meisten Kämpfen befasst sich mit Bernard, Amara und dem Marathäuptling Doroga, die im Calderon-Tal eine Vord-Königin bekämpfen müssen – und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es hier ganz schön haarig wird. Die Vord sind eine mysteriöse Macht, die drei Königinnen losschicken, um größere Gebiete zu unterjochen undd eren Bewohner auszurotten. Die erste Königin wurde schon von Doroga und seinen Maratkriegern besiegt, die zweite hat es mit den Leuten von den Wehrhöfen zu tun und zur dritten kommen wir später.

    Handlungsstrang Nummer 2 treibt Isana in die Hauptstadt, wo sie Unterstützung für die Streitmacht im Calderon-Tal erhalten will und gleichzeitig ihren Neffen Tavi sucht, der im schlimmsten Fall von besagter dritter Königin bedroht werden könnte. Dies ist mit Abstand der interessanteste Strang, denn die politischen Irrungen und Wirrungen sind wirklich toll komplex und es ist interessant zu sehen, wie sich die vermeintliche  „Landpomeranze“ in der großen Stadt anstellt (man bekommt schon ein Gefühl, dass da mehr dahinterstecken muss...).

    Schlussendlich haben wir es mit Tavis Ausbildung zum Kursor zu tun. Zuerst hatte ich etwas Sorge, dass es zu harrypotteresk werden könnte, aber die Ausbildung nimmt mit der Ohnmacht des Kaisers ein jähes Ende und der „Ernst des Lebens“ beginnt. Zusammen mit seinem Lehrmeister, ein paar Freunden – darunter auch seine alte Marat-Bekannte Kitai und der schon aus Teil 1 bekannte Sklave Faede – muss er das Reich vor einem Bürgerkrieg bewahren, denn das Leben des Kaisers ist derzeit mehr als bedroht.

    Irgendwie gelingt es Butcher die Handlung gegen Ende wieder halbwegs einzufangen und zusammenzuführen und gleichzeitig bleiben noch zwei schöne kleine Stränge lose, um mich dazu zu zwingen, sofort mit Teil 3 loszulegen.

    … mir ist immer noch nicht klar, wie ich es geschafft habe, dass diese Reihe komplett an mir vorbeigegangen ist.

    Bei den Charakteren sind glaubhafte Weiterentwicklungen zu erkennen, besonders bei Tavi. Aus dem naiven Hirtenjungen, ist ein intelligenter mitunter verantwortungsbewusster junger Mann geworden. Auch die Einführung neuer Charaktere ist vielversprechend in dem politischen Ränkespiel und Minenfeld, das Jim Butcher hier erschaffen hat. Man darf gespannt sein, wie es mit Tavi und seinen Gefährten weitergehen mag. 
     

    Jim Butcher: Codex Alera 2 - Im Schatten des Fürsten. Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg, Taschenbuch, Klappenbroschur, 640 Seiten, 10,99 Euro; 
    ISBN: 978-3-442-26966-2

     

    Richard Schwartz: Götterkriege 3 - die komplette Saga 3

    Es gibt Schriftsteller, welche die Helden ihrer Romane durch gewaltige Epen jagen, dabei Erfolge feiern und Verluste erleiden lassen. Seltener sind sie jedoch so unbarmherzig, sie durch zwei Serien zu jagen und sowohl Gefahren als auch Verantwortung konstant ansteigen zu lassen. Richard Schwartz hat diesbezüglich allerdings nur wenig Zurückhaltung gezeigt. Mit dem dritten Sammelband der Götterkriege gibt es nun das große Finale, das aufgrund der Tatsache, dass jener Band insgesamt drei Romane und über 1600 Seiten enthält, jedoch ein kleines Bisschen dauert.

     

    Abbildung: Piper
     

    Letztlich der bombastische Abschluss einer Saga, die in die absolute Top-Liga gehört. Auch wenn mir persönlich der Endkampf gegen Erzbösewicht Kolaron Malorbian dann doch beinahe etwas zu einfach gerät...

    Mehrere Bücher in einem dicken Sammelband: „Der Inquisitor von Askir“ ist ein Einzelroman, der nicht zur eigentlichen Reihe gehört, aber sehr viele Hintergründe und Vorbedingungen werden hier schon vorbereitet, die nachher eine Rolle spielen. Das Werk selbst ist jetzt nicht das spannendste von allen, aber trotzdem essentiell um alle verschiedenen Handlungsfäden zu verstehen. „Die Macht der Alten“ baut immer mehr Spannung auf und hört mit einem richtigen Knalleffekt auf. Und in „Der Wanderer“ muss jeder Charakter noch ein letztes Mal beweisen, aus welchem Holz (oder welchem anderen, ungleich härteren Material) er tatsächlich geschnitzt ist. Das wirklich tolle an der Reihe ist, dass der Autor sie (also inklusive der Askir-Bände) laut eigenen Angaben schon von Beginn an für zwölf Bände ausgelegt hatte. Und hier hat man nie das Gefühl, er hätte einfach noch eine und noch eine Fortsetzung geschrieben, nachdem die Vorgänger erfolgreich waren. Die ganze Saga ist eine runde Angelegenheit – mit einigen Zusatzbänden, die man entweder als Nebenschauplätze sehen kann, oder aber als Alternative zu Infodumps. Wer gute Fantasy mag, sollte sich diesen Band natürlich unbedingt zulegen. Aber erst wenn er die drei Bände der kompletten Askir-Saga und die beiden Vorgängerbände der Götterkriege genossen hat. Aber dann hat man als Leser eine Reihe intus, die einen Vergleich mit den Größen des Genres absolut nicht zu scheuen braucht.

    „Götterkriege – Die komplette Saga“ geht mit Band 3 in die letzte Runde. Und das auf eindrucksvoll voluminöse Weise. Der Sammelband, der zusätzlich zu den letzten beiden Romanen der Reihe noch als kleinen (rund 500-seitigen) Bonus „Der Inquisitor von Askir“ enthält, schließt die Götterkriege und somit die Askir-Saga würdig ab. Über 1.600 Seiten kann man ein letztes Mal mit liebgewordenen Charakteren lachen, lieben und leiden. Für jeden Kenner der übrigen Romane ein absolutes Muss. Und für jemanden, der Richard Schwartz und seine Werke noch nicht kennt ein No-Go! Denn zuerst müssen noch einige tausend Seiten gewälzt werden, um bis hierher vorzudringen. Doch dies sei empfohlen, denn es lohnt sich.

     
    Richard Schwartz: Götterkriege - die komplette Saga 3. Klappenbroschur, 1664 Seiten, Verlag: Piper; 22,00 Euro; 
    ISBN 978-3-492-70429-8
     
     

    Schwartz: Götterkriege - die komplette Saga 2

    Seit Jahrhunderten verteidigt die Ostmark in blutigen Kämpfen das Reich gegen die Stämme der Barbaren. Doch nun sammeln sie sich unter dem schwarzen Banner des Nekromatenkaisers und drohen das Alte Reich zu erschüttern. Mit einer Handvoll Getreuer will Havald alles daran setzen, die Stämme der Steppe zu befrieden und den toten Gott endlich zurückzuschlagen ...  Der zweite Sammelband aus Richard Schwartz' Erfolgsreihe »Die Götterkriege« vereint die Romane »Das blutige Land« und »Die Festung der Titanen«

     

    Abbildung: Piper
     
    Havald lag über lange Zeit wie scheintot da, gefangen zwischen den Zuständen Leben und Tod. Nun ist er viel jünger und sieht die Gelegenheit, dies insofern auszunutzen, als er die Bedrohung durch die Barbaren in der Ostmark näher analysieren will. Denn viele sammeln sich unter dem schwarzen Banner des Nekromantenkaisers. Es gibt ein Wiedersehen mit totgeglaubten Kameraden, die Vergangenheit wird weiter aufgearbeitet und einige Helden lernen sich überhaupt erst kennen – da beim vorherigen Zusammentreffen zumindest einer der Beteiligten so gut wie tot war. Neben der Bedrohung durch den Nekromantenkaiser selbst gibt es eine neue Gefahr. Ein Wesen, dass sich offenbar nicht einmal durch Bannschwerter oder Magie bezwingen lässt. Und doch hat jener Verschlinger eine Schwäche...
     
    „Götterkriege – Die komplette Saga 2“ beinhaltet zwei Romane der ursprünglichen Fassung: „Das blutige Land“ und „Die Festung der Titanen“. Die beiden in einem Band zu vereinen hat einen gewaltigen Vorteil. Denn hier wird die lange Vorbereitungszeit, gewissermaßen das „Anlauf nehmen“ des ersten Romans gleich in die Action des zweiten Werks umgesetzt. Der Protagonist, der gerade erst wieder von den Toten erwacht ist, findet mehr über sich, seine verfluchte Klinge und auch über seine neu erwachten Fähigkeiten heraus. Das verleiht seinem Charakter auch etwas mehr Kontrast als bisher. Denn trotz der Fähigkeit seiner Klinge, Seelen zu rauben, war er stets ein völlig untadeliger Kämpe, gewissermaßen ein Paladin. Nun, als die Fähigkeiten getöteter Nekromanten in ihm auftauchen, wendet er Kräfte an, deren Ursprung das pure Böse ist. Hier stellt sich natürlich die Frage, wie ihn das in weiterer Folge verändern wird. Wie wird es die Beziehung der Charaktere zueinander beeinflussen? Auch die Dreiecksbeziehung zwischen Serafina, Leandra und Havald birgt einiges an Brisanz.
     
    Wieder klasse Fantasy von Richard Schwartz - beinahe schon traurig, dass ich mich dem Ende der Saga nähere. Aber Sammelband drei hat ja Gott sei Dank satte 1600 Seiten!
     
    Richard Schwartz: Götterkriege - Die komplette Saga 2. Klappenbroschur, 1088 Seiten, Verlag: Piper, 20 Euro;
    ISBN 978-3-492-70417-5
     
     

    Schwartz: Die Götterkriege - die komplette Saga 1

    Über Askir weht wieder die kaiserliche Fahne. Desina hat den Thron bestiegen, doch dieses Ereignis wird von einem schrecklichen Mord überschattet: Havald, der Mann, der nicht sterben kann, wurde getötet und sein Bannschwert Seelenreißer gestohlen. Nur wenn es zurückerobert wird, kann der Held Askirs aus seinem ewigen Schlaf erwachen. Nun brechen Leandra und ihre Freunde auf, um Havalds Mörder nach Illian zu folgen. Doch die Götter führen ihren eigenen, furchtbaren Krieg …

    Abbildung: Piper
     
    Etwas was sich geändert hat in der neuen Reihe ist die Erzählerperspektive, besser gesagt von der Ich-Perspektive zur personalen Perspektive. Klar: Denn Havald liegt in Totenstarre im tempel Borons. Da fällt selbst dem "Wanderer" das erzählen schwer. 
     
    Wenn die Charaktere einer Romanreihe einen gewissen Status erreicht haben, muss man sie mit größeren und komplexeren Themen konfrontieren. Nachdem die „Askir“-Saga damit geendet hat, dass einige Charaktere als Könige, Kaiser und höchste Diener ihres Gottes waren, musste eine noch größere Herausforderung folgen. Die Reihe heißt „Götterkriege“, und obwohl in den ersten beiden Romanen, die in „Die komplette Saga 1“ zusammengefasst wurden, eher angedeutet wird als wirklich ausgeführt, weiß man, dass es ziemlich heiß hergeht, wenn Götter anfangen miteinander zu streiten. Interessant ist hierbei besonders die Darstellung des sogenannten Namenlosen Gottes – wie Boron ein wenig an die Götter aus „Das schwarze Auge“ angelehnt. Denn obwohl der Gott und wofür er steht definitiv böse sind, verlangt er nicht nach bösen Taten oder blutigen Opfern für die Anbetung. Das ermöglicht es einigen der Charaktere auf Umwegen die Macht des Gottes zu nutzen. Damit begeben sie sich aber natürlich auf einen gefährlichen Pfad, speziell Wiesel, der sich auf Geschäfte einlässt, die ihn seine Seele kosten könnten. Die Handlung wird mit der gleichen Intensität fortgesetzt, die sie schon in der Vorgängerreihe besessen hat. Auch wenn einige neue Charaktere die Reihen füllen, darf man sich trotzdem auf zahlreiche bekannte Gesichter freuen. Und selbst der Tod scheint einige von ihnen nicht endgültig aus der Geschichte tilgen zu können... und somit ändert sich die Erzählperspektive auf absehbare Zeit auch wieder...
     
    Fesselnd geschrieben, mit Cliffhangern und Standortwechseln an den richtigen Stellen - Richard Schwartz beitet all das, was schon die Askir-Reihe ausgezeichnet hat.
     
    Richard Schwartz: Die Götterkriege - Die komplette Saga 1. KlappenbroschurM Verlag: Piper, 1200 Seiten, 20 Euro.
    ISBN 978-3-492-70346-8
     
     
     
    Phileassson-Saga: Schlangengrab
     
    Die Seeschlangen des Perlenmeers zerdrücken die Planken stolzer Segler und ziehen kühne Recken in ein nasses Grab. So sagt man. Ungeheuer so schrecklich, dass ihr Zorn dereinst die Welt entzweireißen wird. So sagt man. In ihrem fünften Abenteuer müssen sich Asleif Phileasson und Beorn der Blender ausgerechnet einer solchen Bestie stellen. Nur wem es gelingt, einen Reißzahn aus dem Maul einer Seeschlange zu stehlen, hat die nächste Prüfung bestanden und darf sich weiterhin Hoffnung auf den Titel »König der Meere« machen. Doch alleine schon die Fahrt ins Perlenmeer wird für die beiden Kontrahenten zu einer tödlichen Herausforderung.
     
    Abbildung: Heyne
     
    "Nachdem ich die ersten vier Bände verschlungen habe, muss ich auch gestehen, vom "Schlangengrab" vielleicht nicht unmittelbar enttäuscht zu sein, aber mir doch mehr erhofft zu haben. Vielleicht lag es am Setting, vielleicht an den Gegenspielern, ich weiß es nicht genau. Weder konnte mich Maraskan in seinen Bann schlagen, noch kamen mir die Achaz irgendwie bedrohlich vor. Auch erschien mir die Jagd nach den Schlangen irgendwie planlos und zufällig. Insgesamt hatte ich bei diesem Band den Eindruck, die Figuren stolpern mehr durch ihr Abenteuer, als es eigentständig und aufgrund ihrer individuellen Fähigkeiten zu lösen. Hier hätte ich mir ein epischeres Gefühl erhofft. Gerade beim Showdown, der dann aber drastisch abgekürzt wurde..."
     
    Das schreibt User P-O bei seiner Rezension auf amazon.de - ganz so weit würde ich nicht gehen, dennoch haben auch mich die vorangegangenen Bände mehr gefesselt.
     
    Im Prolog, der vom Umfang her schon gut als eigenständige Novelle daherkommt, erfährt der Leser zunächst - und längst überfällig bin ich geneigt zu sagen -, wie Beorn zu seinem Beinamen gekommen ist.

    Auch danach wissen die Autoren wieder mehr oder weniger spannendes Abenteuer-Garn zu spinnen. Nachdem die eisigen Gestade des Nordmeeres hinter ihnen liegen, geht es nun gegen Piraten, Sklavenhalter und selbsternannte Ordnungskräfte der jeweiligen Region. Geboten wird hier, was wohl erprobt und erfolgreich ist - also packende See-Gefechte ebenso wie die Erstürmung von Festungen, gefahrvolle Segelkunststücke zwischen Korallenriffen und dunkle Magie.

    Dabei folgen die Perspektivwechsel gefühlt immer schneller, die einzelnen Kapitel werden kürzer, was zu mehr Tempo führt. Allerdings geht dies ein wenig zu Lasten der Detailtreue, obwohl auch das fünfte Abenteuer unserer beiden Seefahrer ein wahrer Klopper von Buch ist.

    Die wenigen verbliebenen Gefährten der beiden Hetmänner geraten immer deutlicher ins Visier der beiden Autoren. Hier kommt es zu weiteren Offenbarungen, zu zarten Banden der Romantik aber auch zu Problemen. Diese Ausweitung des Fokus und die Fortentwicklung der Figuren tut dem Buch gut, auch wenn es zunächst ein wenig Raum in Anspruch nimmt. Man merkt den Passagen an, dass hier Grundlagen für die weiteren Bände gelegt werden, dass die Autoren, nachdem sich die Saga zu einem Bestseller entwickelt hat, die restlichen sieben Bände weit detailreicher vorausplanen, als dies zu Beginn der Fall war.

    Bernhard Hennen & Robert Corvus: Schlangengrab - Die Phileasson-Saga 5. Heyne, 2018, Paperback, 622 Seiten, 14,99 EUR
     ISBN 978-3-453-31849-6 (auch als eBook erhältlich)

    Askir 3 - klasse Abschlussammelband der Saga!
     
    »Das Geheimnis von Askir« von Richard Schwartz zählt zu den beliebtesten deutschsprachigen Fantasyserien. Diese Sonderausgabe mit den Romanen »Die Eule von Askir« und »Der Kronrat« schildert das große Finale des Epos. Farbige Karten und exklusive Illustrationen bringen Sammlern und Neulesern die faszinierende Welt Askir so nahe wie nie zuvor: Leandra, Havald und ihre Gefährten gelangen in die alte Kaiserstadt Askir. Doch hier liegt ein dunkles Geheimnis verborgen, und eine Weissagung kündet vom Krieg der Götter ...
     
    Abbildung: Piper
     
     
    Die Spannung hatte mich von Anfang an wieder und ich war sofort wieder ins Reich Askir versetzt. Richard Schwartz hat es wieder verstanden, mich abzuholen und die Geschichte ebenso komplex und spannend weiterzuspinnen, wie sie begonnen hat. Dabei merkt man schnell, dass es nicht einfach mal schnell herunter geschrieben ist, sondern dass sich die einzelnen Stränge und Begebenheiten wunderbar miteinander verflechten. Auch die Charaktere, die ich ja schon aus den ersten beiden Bänden her kannte, kommen wieder sehr überzeugend und authentisch rüber.

    Die eigentliche Handlung rückt zeitweise ein wenig zu weit in den Hintergrund, gleichzeitig erfährt der Leser aber auch ein paar "Nebensächlichkeiten", die das ganze wieder ein wenig "gewürzt" haben. Im Kronrat waren so viele neue und interessante Charakter vertreten, wie man sie selten in einem Buch angetroffen hat. Das mag teils verwirren, geht aber nach ein paar Seiten wieder gut von der Hand. 

    Das Finale war eine Überraschung, denn es war nicht so abschließend, wie ich gedacht hatte. Hier ist genügend Platz für "Die Götterkriege", die sich anschließen.
     
    Sieht man von den kleinen Fehlern in der Ausstattung ab (fehlende Karte bzw. veraltete karte im Umschlag;  Umbenennung der Wehrstation in Wachstationen) ist diese Ausgabe ein klasse Abschluss einer mehr als tollen Saga.
     
    Richard Schwartz: Askir - die komplette Saga 3. 1152 Seiten, Klappenbroschur, Verlag: Piper; 20,00 Euro
    ISBN 978-3-492-70345-1
    Der sanfte Farbenseher, sein dunkler Freund und die leuchtende Frau
     
    Von Sandra Trauner, dpa

    Was für ein Debüt! Mareike Fallwickl: ein neuer Name auf der langen Liste großer österreichischer Autoren.
     
    Raffael ist ein Charmeur und Verführer, ein Demagoge und Manipulator, ein Sadist und Menschenquäler. Moritz ist lieb, schüchtern, passiv - die beiden sind beste Freunde. Dass das nicht gut geht, wird dem Leser schnell klar im Debütroman "Dunkelgrün fast schwarz" von Mareike Fallwickl. Aber es kommt schlimmer. Auf Jahrzehnte vergiftet diese Verbindung das Leben aller Menschen in ihrem Umfeld.
     
    Abbildung: Frankfurter Verlagsanstalt
     
     
    Als "Motz" und "Raf" auf dem Spielplatz des abgelegenen Bergdorfs oberhalb von Salzburg Freunde werden, sind sie drei Jahre alt. Als sie sich nach 16 Jahren wiederbegegnen, sind sie erwachsene Männer. Moritz wird bald Vater, hat einen guten Job, eine schöne Wohnung, eine hübsche Freundin, ein geordnetes Leben. Bis Raf vor seiner Tür steht und sich erneut in seinem Leben breit macht. Es wie früher, wie immer: "mit Raf befreudet zu sein", sagt Moritz, ist "das Schlimmste und das Beste zugleich".
    Und dann klingelt es erneut: Johanna steht vor der Tür. Das traurige Mädchen ohne Eltern hatte die Verbindung zwischen Moritz und Raffael zu einem Dreieck geweitet, "dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen". Sie war Moritz' erste Liebe, bis sie mit 17 von einem Tag auf den anderen verschwand und seine Träume mitnahm.
    Was Moritz nicht weiß, hat der Leser bereits erfahren: Raffael ist ein Schwindler und Betrüger, der um die Welt jettet und unter falschen Identitäten einsame Frauen ausnimmt. Johanna reist ihm hinterher und schreibt zur Tarnung an einen morbiden Anti-Reiseblog. "Jo" lässt sich herumschubsen und demütigen - und doch ist sie die stärkste und schlauste Figur im Dreieck.
    Was für ein Plot, was für Figuren, welche Sprache, welche Tiefe: Wut klebt an Körpern "wie eine Zuckerschicht, feinkörnige Brösel Zorn". Unartikulierte Gefühle sind wie ein Duft, der sich "in tausend kleine Teile zersetzt und anders riecht als gedacht". 17-Jährige wissen mehr als 50-Jährige, aber das Wissen nützt nichts, "weil dir der Rahmen fehlt, weil Du es nicht einspannen kannst in den Kontext der Erfahrung".
    Der zunächst rätselhafte Titel bezieht sich auf Moritz' Synästhesie, eine seltene Gabe, bei der Menschen imaginäre Farben sehen. Bei vielen Synästheten haben Zahlen oder Töne einen Farbschimmer, bei Moritz sind es Menschen. Seine Freundin strahlt in leuchtendem Pink, Johanna ist gelb, Raffaels Farbe war einst "knospengrün, raupengrün, an manchen Tagen limonenhell", jetzt ist das Grün viel dunkler mit schwarzen Flecken "wie Schimmel".
    Wichtigste Nebenfiguren sind die Mütter der beiden Freunde, das zum Esoterischen neigende, dem Alkohol zugeneigte Ex-Model Sabrina und die introvertierte, ihr Getreide selbst schrotende Marie. Widerwillig sitzen die beiden Großstadt-Frauen in dem Berg-Kaff fest und werden doch keine Freunde. Mit großen Zeitsprüngen berichten sie alle - aus ihrer jeweils ganz persönlichen Perspektive - über die Beziehung zwischen Motz und Raf.
    Ein Motor und sein Wagen sei dieses Gespann, stellen sie fest, ein Planet und sein Trabant, ein Spieler und der Bumerang, der stets zu ihm zurückkehrt. "Freundschaft knackt Dich, bricht Dich auf", sagt Johanna, "und wenn Freundschaft Dich erstmal aufgerissen hat, gehst Du nicht mehr zu. Dann klaffst Du und weinst und bereust, aber es ist zu spät."
    Mareike Fallwickl, Jahrgang 1983, ist selbst in Hallein bei Salzburg aufgewachsen, dem Ort in dem ihr Buch spielt. Sie arbeitet als Texterin, Lektorin, Journalistin und betreibt einen Literaturblog. "Vermiete oft benutztes und gut genährtes Gehirn in ansprechender Originalverpackung aus den 1980er-Jahren", wirbt die Autorin für sich, "die Region für Sprache ist ungewöhnlich stark ausgeprägt."
    Das Buch erinnert in Teilen an Juli Zeh's "Spieltrieb" und ist ihm an Intensität ebenbürtig. Es ist diesem Buch zu wünschen, dass der Verkaufserfolg nicht darunter leidet, dass es bei der vergleichsweise kleinen Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist, sondern im Gegenteil: dass FVA-Verleger Joachim Unseld den Ruhm dafür einfährt, nach Nino Haratischwili ("Das achte Leben") erneut eine große Autorin entdeckt zu haben.

    Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz, Frankfurter Verlagsanstalt, 480 Seiten, 24,00 Euro,
    ISBN 97 836 2700 2480
     
    Chinua Achebe: Termitenhügel in der Savanne
     
    Der letzte Roman des großen Schriftstellers Chinua Achebe: Mit "Termitenhügel in der Savanne" wendet Achebe sich der afrikanischen Gegenwart zu. In einem fiktiven Staat Westafrikas, der Nigeria nicht unähnlich ist, herrscht unter »Seiner Exzellenz« Sam eine Atmosphäre der Unterdrückung und des Misstrauens. Achebe folgt dem engsten Umfeld des Despoten und trifft in den Kern einer politischen und vor allem menschlichen Tragödie. Im westafrikanischen Kangan herrscht nach einem Militärputsch der junge, in England ausgebildete Offizier Sam. Seine Freunde Chris Oriko, der Informationsminister der Regierung, und Ikem Osodi, Dichter und Chefredakteur der regierungskritischen National Gazette, kennen Sam aus Studienzeiten und müssen mitansehen, wie der charmante junge Mann sich zu einem machtbesessenen Despoten entwickelt. Als Ikem beginnt sich gegen ihn zu stellen, bringt er nicht nur sich selbst, sondern das ganze Land in Gefahr. Chinua Achebe wendet sich mit seinem letzten Roman der afrikanischen Gegenwart zu und erzählt am Beispiel des fiktiven Kangan eindrücklich von der Atmosphäre eines Staates an der Schwelle zur Diktatur.
     
    Abbildung: Fischer-Verlage
     
    Zwei Jahre nach einem Staatsstreich durch das Militär, der einen brillanten, jungen, in England ausgebildeten Offizier an die Macht brachte, herrscht in dem afrikanischen Staat Kangan eine außergewöhnliche Ruhe. Das Scheitern des Referendums, durch das er sich zum Präsidenten auf Lebzeiten ernennen lassen wollte, hat "Seine Exzellenz" nervös gemacht. Dadurch wird die Situation jener Männer,die ihm zur Macht verhalfen, seiner ältesten Freunde, gefährlich und unsicher. Chris Oriko, der Informationsminister, weiß, dass seine Tage gezählt sind, wenn sich sein ehemaliger Klassenkamerad zum wilden Diktator entwickelt. Ikem Osodi, Dichter und Herausgeber der 'National Gazette', glaubt mit seinen kämpferischen Artikeln den Diktator zurückhalten zu können. Der Versuch, ihr Leben zu retten, entwickelt sich zu einer dramatischen Aktion, in der das Schicksal des gesamten Landes auf dem Spiel steht.
     
    In diesem Sinne ist "Termitenhügel in der Savanne" ein Roman über die Entwicklung in Afrika - desillusionierend, aber nicht bar jeder Hoffnung. Erschreckend und schockierend - vor allem, weil alles so real wirkt. Der Leser blickt ins Herz Afrikas, bekommt von Achebe viel Emotionalität und Gefühl - und stürzt teils darüber - weil es eben genauso passiert oder passiert sein könnte. Ein Must-read, nicht nur für Afrika-Fans!
     
    Chinua Achebe: Termitenhügel in der Savanne. Taschenbuch; 304 Seiten, FISCHER Taschenbuch; Übersetzt von: Susanne Koehler; 10,99 Euro
    ISBN 978-3-596-90610-9
     
    Monster Hunter World - Neue, ewige Jagdgründe
     
    Nach etlichen Gastspielen auf den Nintendo-Konsolen blasen Capcoms "Monster Hunter" auch auf PlayStation4 und Xbox One zur Jagd auf Drachen und andere Urviecher: Der Ableger "World" soll Serien-Neulingen den Einstieg erleichtern, das völlig überfrachtete System entschlacken und dabei auch noch Wert auf eine unterhaltsam inszenierte Geschichte legen ... Klingt, als hätte der Entwickler die eierlegende Wollmilchsau ins Visier genommen.
    Monster erlegen, Beute sammeln, neue Ausrüstung herstellen - und damit noch größere Monster erlegen. An diesem Jäger-und-Sammler-Prinzip, im Gamer-Jargon auch "Grinden" genannt, hat sich im Grunde nichts verändert, seitdem Capcom seine "Monster Hunter"-Reihe 2004 zum ersten Mal von der Leine gelassen hat. In dieser Zeit ging man vor allem auf Handheld-Systemen wie PSP, PS Vita und 3DS auf die Pirsch - und mit jeder weiteren Episode wurde das Wettrüsten zwischen Jäger und Gejagtem noch ein Stückchen kniffliger. Inzwischen gilt die Marke als Komplexitätsungetüm, das Neueinsteigern kaum eine Chance lässt.
     
    Abbildung: Capcom
     
     
    Genau die richtige Zeit also, um buchstäblich in eine neue Welt aufzubrechen: "Monster Hunter World" soll die Serie vielleicht nicht rundum erneuern, aber immerhin befreien: vom Ballast und vom Stigma des auf Inszenierungs-Sparflamme kochenden Handheld-Games.
    Das Ergebnis gliedert sich irgendwo zwischen der Ursprungsserie und einem anderen, ebenfalls von Capcom entwickelten Spiel ein: "Dragon's Dogma". Wenn sich bei "Monster Hunter World" riesige Reptilien durch den Dschungel winden, wie Vipern über feuchte Schiefersteine ringeln oder ein Drache mit mächtigen Flügelschlägen in den Himmel schraubt, dann werden die Parallelen zum Profi-Rollenspiel von 2012 überdeutlich.
    Beide Spiele verstehen sich als Bühne für mythische Bestien, die mithilfe ausgefeilter Bewegungsabläufe zu täuschend echtem Bildschirmleben erweckt werden. Allerdings konzentriert sich auch "Monster Hunter World" so sehr auf die Präsentation seiner prachtvollen 3D-Ungetüme und des ausgeklügelten Ökosystems, dass die Dynamik ein wenig auf der Strecke bleibt. Mit dem fein ausbalancierten Handling der Mobile-Teile kann "World" nicht gleichziehen - viel zu oft erkennt der Spieler nur schwer, ob er die gegnerische Bestie überhaupt getroffen hat. Während das Monster selbstverliebt seine realistischen Bewegungsabläufe abspult, hackt der Jäger blindlings drauf los und hofft, dass seine mit teils fummeligen Button-Kombinationen ausgeführten Manöver Schaden anrichten.
     
    Abbildung: Capcom
     
     
    Ob und wie er die feindliche Kreatur nach teils langwierigen Kämpfen zur Strecke bringt, ist am Ende weniger eine Folge kompetenter Gamepad-Akrobatik als vielmehr das Resultat des altbekannten Ressourcen- und Rüstungs-Wettlaufs. Denn aus den Überresten erlegter Kreaturen werden neue Totschläger geschmiedet - wie zum Beispiel wuchtige Schwerter, ausfaltbare Äxte oder Klingen-Stäbe. Fernsteuerbare Insekten und verschießbare Giftbrocken gibt's auch.
    Weil auch das neue "Monster Hunter" von diesen Elementen dominiert wird, tut es sich ziemlich schwer dabei, das seit 14 Jahren wuchernde Regelsystem zu entschlacken. Darum kommen nicht wenige der skurrilen Jagd-Werkzeuge mit einer eigenen, hochkomplexen Bedienungsanleitung. Für Neueinsteiger ist das trotz gut gemeinter Tutorial-"Stützräder" eine - nennen wir es mal - gewaltige Herausforderung.
    Eine zumindest behutsame Erneuerung ist Capcom bei der Gestaltung und Gliederung des Szenarios geglückt: Die Übergänge zwischen den meisten Spielgebieten sind fließend und frei von Ladepausen - ganz anders als bei den Miniatur-Instanzen der bisherigen Serien-Teile. Wer allerdings glaubt, dass sich hinter dem Wörtchen "World" eine Art "Open World"-Spiel verbirgt, wird enttäuscht: Die Bewegungsfreiheit der Jäger ist nach wie vor stark eingeschränkt. Haben sie ihre prachtvoll gestaltete Basis verlassen, um eine tropische Inselwelt, brodelnde Vulkane und weite Wüsten zu erforschen, wird wie gehabt ein extra Einsatzgebiet geladen - nur ist das deutlich größer wie bisher.
     
    Abbildung: Capcom
     
     
    Wer bereit ist, sich für die streng nach Missions-Struktur abzuarbeitende Monster-Jagd in ein dickes Regelwerk einzuarbeiten, der wird dafür immerhin mit dem bisher schönsten "Monster Hunter" belohnt. Ebenso wie mit einem konkurrenzlos großen Bestiarium, in dem jede Kreatur mit der passenden Taktik und Ausrüstung bezwungen werden will.
    Auch im Multiplayer-Bereich gibt sich der jüngste Serien-Spross stark: Zuerst in der Jäger-Lobby eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen und dann mit bis zu drei anderen menschlichen Schwertschwingern auf die Jagd gehen - auf diese Weise vergehen Gaming-Nächte wie im Flug. Wer allerdings schwerpunktmäßig eine Geschichte erleben, eine Spielwelt erkunden und alleine auf Abenteuer ausziehen will, ist hier falsch. Denn Capcom ist es zwar gelungen, seine Serie zu verschönern und zu verfeinern - aber die mit aufwendiger und langatmiger Videosequenz eingeleitete Story tritt schnell in den Hintergrund und macht Platz für das altbekannte Grinding-Spielprinzip, das hier auf die Spitze getrieben wird. Denn nicht der Held entwickelt sich hier weiter, sondern nur seine Ausrüstung. (tsch)
     
    Plattform: PS4; XboxOne
    Hersteller: Capcom
    Vertrieb: Capcom'
    Preis: ca. 60 Euro
     
    "Stellt euch vor, ich bin fort": Trauriges Thema, gefeiertes Buch

    Erst Kurzgeschichten, dann ein Buch über die Finanzwirtschaft, beide bekommen gute Kritiken. Aber jetzt hat Adam Haslett das Buch geschrieben, das er "schreiben musste", wie er selbst sagt. Es erzählt eine traurige Geschichte, basierend teils auf seiner eigenen.
     
    Abbildung: Rowohlt
     

    Das Buch beginnt mit zwei Suiziden. Depression in der Familiengeschichte, ein zutiefst trauriges Thema - aber eines, das Adam Haslett gut kennt. "Auch in meiner Familie gibt es psychische Störungen. Mein Vater hat sich umgebracht, als ich 14 war, so wie es auch im Buch passiert", sagt der Schriftsteller. "Stellt euch vor, ich bin fort" sei das autobiografischste der drei Bücher, die er bislang geschrieben habe. "Es ist das Buch, das ich schreiben musste und es war eine erlösende Erfahrung."

    Haslett schafft es, das traurige Thema nicht in ein düsteres, sondern ein komplexes Buch zu verwandeln. "Ich habe gemerkt, dass es eine Art Liebesgeschichte über eine Familie ist. Es geht um Menschen, die versuchen sich zu lieben durch all diese Umstände hindurch. Sie bemerken, dass die Liebe für jemand anderen verändern kann, wie man ihm hilft, dass es beim Helfen oft genauso um den Helfenden geht, wie um denjenigen, dem geholfen wird."
    Zwei Bücher hat der 47-Jährige aus Massachusetts, der inzwischen im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebt, bereits geschrieben: Einen Band mit Kurzgeschichten und einen Roman, der in der Finanzwirtschaft spielt. "Aber für diese Buch jetzt brauchte ich Lebenserfahrung, Mut und auch einfach den Platz im Kopf, um es so zu erzählen, wie ich es wollte", sagte Haslett der Deutschen Presse-Agentur.

    Der Lohn: Die Kritiker der englischsprachigen Welt feierten das Buch, ob in der "New York Times" oder im "Guardian". Gerade ist es auch auf Deutsch bei Rowohlt erschienen. "Ich tendiere dazu, die Besprechungen nicht zu lesen, denn die Stimme des Kritikers steigt einem zu schnell in den Kopf. Manchmal mache ich es später. Einige der besseren zu diesem Buch habe ich gelesen, aber vorher hat sie jemand für mich gefiltert." Der wirkliche Lohn für ihn seien die vielen Zuschriften von Lesern.

    Ab Ende Februar geht Haslett auf Lese-Tour durch Deutschland und die Schweiz. "Was ich besonders daran mag, nach Deutschland zu kommen, ist dass ich ständig über Politik ausgefragt werde. Diese Idee, dass ein Schriftsteller jemand ist, der die Kultur kommentiert, die ist in den USA schon vor langer Zeit verloren gegangen. Aber ich mag das sehr, denn ich bin ein Politik-Junkie, schreibe viel dazu und denke ständig darüber nach."
    Bis zu einem neuen Buch von Haslett dürfte es noch eine Weile dauern. Zuletzt hat er vor allem Drehbücher geschrieben, sowohl "Stellt euch vor, ich bin fort" als auch drei Kurzgeschichten aus seinem ersten Buch sollen demnächst verfilmt werden. "Ansonsten beschäftige ich mich derzeit intensiv mit Lesen, aber das ist alles Vorbereitung zum Schreiben. Mir geht es gerade wie einem Koch, nachdem er ein großes Essen zubereitet hat. Danach ist die Speisekammer leer und man muss wieder Material sammeln." (Von Christina Horsten, dpa)

    Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin fort, Rowohlt-Verlag, 464 Seiten, 22,95 Euro
     ISBN 978-3498030285
     
     

    Neues vom Dirty Old Man - Keinem schlägt die Stunde

     

    Charles Bukowskis Erzählband »Keinem schlägt die Stunde« bildet die ganz Bandbreite der Kunst des Dirty Old Man ab – ein Schatz aus der Truhe des verstorbenen Schriftstellers, jetzt erstmals auf Deutsch.

    Von frühen, bislang unveröffentlichten Erzählungen aus den vierziger Jahren bis zu den späten Stücken, die Charles Bukowski in den Achtzigern schrieb, führt der mit einem Seitenhieb auf Hemingway betitelte Band »Keinem schlägt die Stunde« durch Bukowskis ganze Entwicklung als Schriftsteller. 

    In seinen autobiographischen Geschichten verarbeitete Bukowski Wunden seiner Kindheit und Jugend: das problematische Verhältnis zu seinem Vater, seinen Außenseiter-Status als Deutsch-Amerikaner. Seine Erzählungen spielen vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Turbulenzen der USA der sechziger Jahre, Bukowski schrieb Science-Fiction und experimentierte mit dem Verschwimmen von Fakt und Fiktion und er illustrierte einige seiner Erzählungen selbst. Charles Bukowskis Erzählungen sind skandalös und frech, sie sind zynisch und lüstern. 

    »Keinem schlägt die Stunde« öffnet einen neuen Blick auf die Vielfalt des großen US-amerikanischen Schriftstellers Charles Bukowski – ein Geschenk für Fans des Dirty Old Man und ideal, um Bukowskis Werk kennenzulernen.

     
    Abbildung: Fischer Verlage
     
    Und wieder einmal ist es gelungen, dem Nachlass von Charles Bukowski bis dato unbekannte Storys abzuringen. Von frühen, bislang unveröffentlichten Erzählungen aus den 1940er-Jahren bis zu den späten Geschichten, die der Dirty Old Man in den Achtzigern schrieb, führt der mit einem Seitenhieb auf Hemingway betitelte Band „Keinem schlägt die Stunde“ durch Bukowskis ganze Entwicklung als Schriftsteller.
     
    Geistreicher Erzähler
     
    Der vorliegende Band präsentiert sich als Einstiegsluke ins Gedankengebäude Bukowski. Es zeigt den geistreichen, saloppen Erzähler, der mit seiner entschlackten Prosa besticht, ebenso wie den, der mit Slang und Unflätigkeit um sich schlägt. Sex und Alkohol sind oft Thema, doch Bukowski ist keiner, der nur über Sex und Saufen schreibt. Es geht um die vernachlässigte Kindheit, die Hautentstellung, den Beinahtod durch Alkohol aber ebenso um die Sinnlosigkeit des Vietnamkriegsoder den rechtsaußen stehenden Gouverneur Alabamas, George Wallace.
     
    Empathisch und zynisch

    Charles Bukowski bedient sich einer harten Sprache, die aber wiederum durchaus auch empathisch und weich sein kann. Das was er schreibt wirkt sehr authentisch und zutiefst menschlich. Da ist nichts Abgehobenes oder Aufgesetztes. Das wird das Leben eben so beschrieben, so wie das Leben auch zumeist ist. Bukowski packt in diese Geschichten sehr viel Autobiographisches und zeigt auch, dass er verletzlich und sensibel ist. Aber er kann auch zynisch und verletzend. Die Bandbreite dieses Autors ist schon erstaunlich. Und zu keinem Zeitpunkt langweilt man sich bei der Lektüre dieses Buches.

    Lesenswert

    Ein sehr lesenswertes Buch, geschrieben von einem Autor, der die echte Sprache der Menschen spricht, der denkt wie die Menschen in der Regel denken – ein Autor mit einem Blick für die Schwächen und Stärken der Menschen, ein Autor aber, der sich nie erhöht, der sich nie für etwas Besseres hält.

    Charles Bukowski: Keinem schlägt die Stunde. Hardcover, 368 Seiten, FISCHER Taschenbuch, 25 Euro;
    ISBN 978-3-596-95031-7

    Askir - die komplette Saga 2 - ja, schon gut!

    Der Krieger Havald, die Halbelfe Leandra und ihre Gefährten suchen nach einem Weg, um aus der exotische Stadt Gasalabad nach Askir zu gelangen. Doch die Macht des Tyrannen Thalak reicht weiter, als sie befürchtet haben ... Zwei Bände des mehrfach für den Deutschen Phantastik Preis nominierten Zyklus »Das Geheimnis von Askir« in einmaliger Sonderaustattung – erstmals mit farbigen Karten und einzigartigen Illustrationen.

     
    Abbildung: Piper
     
     
    Auch wennich das normal nicht mache, hier ein kurzer inhaltlicher Abriss: Havald und seine Freunde haben sich in Gasalabad häuslich eingerichtet. Ein wundervolles Anwesen wird zum vorübergehenden Heim. Doch politische Intrigen machen das Leben schwierig. Nach seinen Leistungen ist Havald ein gern gesehener Gast im Palast und die Emira vertraut seinen Gefühlen und Ideen für eine gesichertes Reich.
    Wäre nicht die wichtige Aufgabe in Hintergrund (die Vermeidung des Krieges mit Thalak), könnten es sich die Freunde dort lange gut gehen lassen. Doch die Zeit drängt. Doch auch in der vermeintlich ruhigen Stadt Gasalabad geht es für die Freunde nicht immer so ruhig und beschaulich zu: Was haben die beiden Münzen in den Privaträumen von Havald und Leandra zu bedeuten und wer ist der "Meister der Puppen"?
    Dies gilt es zu klären, bevor die Gruppe sich endlich wieder auf den Weg nach ASKIR macht, um dort um Hilfe gegen Thalak zu bitten und um die zweite Legion für den Kampf zu rüsten. Dies ist deshalb so wichtig, denn auf den Feuerinseln sammelt sich bereits ein Heer, das bereit ist, in den Krieg zu ziehen. Ob Havald und seine Freunde es schaffen hängt am seidenen Faden, denn Havald wird von seinen Gefährten getrennt und verliert darüber hinaus auch noch sein mächtiges Schwert Seelenreißer... 
     
    Tolle Sprache, tolle Ideen, aber diesmal "nicht so doller" Spannungsbogen. Der zwete Sammelband von Askir ist gut, das nicht, aber er hat seine Längen. Und die ziehen sich wirklich teils wie Kaugummi.  Die Geschehnisse in Gasalabad sind teils einfach lahm. Letztlich hat alles zwar irgendwie Sinn und es sind auch schöne Einfälle dabei (Fluten der Katakomben, Greifenreiter...), aber irgendwie fehlt da an einigen Stellend er Pep.  Ich war wirklich, wirklich froh, als die Geschichte endlich wieder an Fahrt aufnahm und die Reise nach Askir begann. Da erlebt die Reisegesellschaft um Havald dann Schlag auf Schlag Neues - der Plot zieht das Tempo an. 
    Ansonsten wie Teil eins der Askir-Sammelbände: Eine  lebhafte, wunderbar fantastische Geschichte, liebevoll ausgearbeitet und durchdacht, mit liebenswürdigen, tiefgreifenden Charakteren, die ihre ganz eigenen und detailliert ausgearbeiteten Persönlichkeitszüge haben. Ein Buch, das allen Liebhabern guter Fantasy und allen Kennern von Richard Schwartz nur empfohlen werden kann. Der Kauf lohnt sich - trotz der leichten Kritik - in jedem Fall. Schon alleine, weil man nach dem ersten Sammelband ja unbedingt wissen will, wie es weitergeht.
     
    Richard Schwartz: Askir - die komplette Saga 2. Klappenbroschur, 992 Seiten, Verlag: Piper, 20 Euro;
    ISBN: 978-3-492-70344-4
     
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