TV-Duell Merkel vs. Schulz

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TV-Duell Merkel vs. Schulz

Drei Wochen vor der Wahl zum Deutschen Bundestag liefern sich Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz im Fernsehen einen Schlagabtausch. Statements, Fakten-Check und alles Wissenswerte rund um das mit großer Spannung erwartete TV-Duell im NewsBlog.

    Die Union wird auf keinen Fall mit der AfD und mit den Linken zusammenarbeiten. 

    Merkel zur Frage, mit welcher Partei sie sich eine Koalition vorstellen könnte.

    In ihrem Schlusswort wirbt Merkel für beide Stimmen für die Union. Sie glaube, "dass ich mit der Mischung aus Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen wir einiges erreicht haben, und der Neugier auf das Neue" Deutschland so gestalten könne, dass das Land auch in zehn Jahren ein starkes und sozial gerechtes Land sei, "ein Land, in dem der Zusammenhalt auch wirklich gilt". Dafür wolle sie für und mit den Bürgern arbeiten, sagt die Kanzlerin. "Und ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können."

    Fazit zu Merkel: Sie blieb im Großen und Ganzen souverän. Ein paar Mal gelang es aber Schulz sie unter Druck zu setzen. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Merkel sehr wenig Stresssignale gezeigt hat. Sie transportierte hauptsächlich Sicherheit und Ruhe. Lächelte auch mehrmals echt, wie beispielsweise bei ihrem Schlusswort, "Ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können." Dieses authentische Lächeln gemeinsam mit ihrer ruhigen Ausstrahlung ist ihre nonverbale Stärke. Diese konnte sie voll einsetzen. Sie hat das nonverbale Duell in Sachen Sympathie- und Kompetenz-Wirkung gewonnen.

    von dpa-live Desk via dpa bearbeitet von Desk 9/3/2017 8:07:23 PM

    Fazit zu Schulz: Er stand in den ersten 30 Minuten stark unter Anspannung, zeigte auch danach immer wieder viele Stresssignale. Studien haben gezeigt, dies führt zu Abzügen in der Kompetenzwirkung. Nur in einem Punkt hat er gegen Merkel deutlich gewonnen: Schulz war deutlich angriffslustiger als Merkel, machte aber den Fehler sie mehrmals direkt zu attackieren, mit Blickkontakt und Gesten in ihre Richtung.

    Diese direkten Angriffe von Schulz auf Merkel waren daher von Nachteil für seine Wirkung, insbesondere für seine Sympathiewerte. Ihm ist es nicht gelungen, seine nonverbale Ausdruckskraft konstruktiv einzusetzen. Er gewinnt nur in Sachen Angriffslust. Seine immer wieder auftretenden Stresssignale, wie schnelles Blinzeln und sein unruhiger Stand dürften in Kontrast zur ruhigen Körpersprache von Merkel dazu führen, dass die Kanzlerin als kompetenter wahrgenommen wurde.

    Das Duell hat nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther Kanzlerin Merkel eindeutig gegen Schulz gewonnen. "Angela Merkel war stark und überzeugend", so der CDU-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich fand sie deutlich souveräner als ihn." Schulz sei nach seinem Eindruck sehr aggressiv aufgetreten.

    "Ich fand ihn erstaunlich nervös", so der Kieler Regierungschef über den SPD-Kanzlerkandidaten. Die Chance, die ein solches TV-Duell biete, habe er nicht genutzt. In der Sendung seien die Probleme in Deutschland zu kurz gekommen, erklärt Günther. Es sei nicht langweilig gewesen, sondern es hätten sich durchaus Unterschiede offenbart.    

    Bundeskanzlerin Merkel lag nach Umfragen von ARD und ZDF zur Halbzeit des TV-Duells vor ihrem SPD-Herausforderer Schulz. Nach einer ARD-Umfrage zur Halbzeit sagte 44 Prozent, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Vorsitzenden. Bei den unentschiedenen Wählern lag Merkel mit 36 zu 31 Prozent vorne. 

    Bei der ZDF-Umfrage kam sie auf 33 Prozent Zustimmung, Schulz auf 24 Prozent. 43 Prozent der Befragten waren zu diesem Zeitpunkt unentschieden. Auch bei der Glaubwürdigkeit lag Merkel laut ZDF mit 31 Prozent vorne. Schulz erhielt 17 Prozent. Beim Sachverstand lag sie mit 41 Prozent mit großem Abstand vorne, Schulz kam auf 14 Prozent. Unentschieden seien hier 44 Prozent gewesen. Bei der Sympathie lag Merkel mit 35 zu 19 Prozent vorne. 45 Prozent seien unentschieden gewesen, hieß es. Eine große Mehrheit hielt Schulz laut ARD-Umfrage für angriffslustiger: 78 zu 6 Prozent.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
    Erste Reaktion des SPD-Herausforderers Schulz nach dem Duell. Er gibt sich siegessicher und verweist auf den Wahlkampf-Endspurt:

    AfD-Chefin Frauke Petry kritisiert das TV-Duell als belanglos. "Ich habe trotz überraschend kritischer Fragen der Journalisten noch nie in 90 Minuten so viele Plattitüden und Phrasen auf einen Haufen gehört, so viel Oberflächliches und Belangloses am Stück", sagt die Bundes- und sächsische Landesvorsitzende.

    Bundeskanzlerin Merkel hat nach ZDF- und ARD-Umfragen das Duell gewonnen. Nach ARD-Zahlen lag die CDU-Vorsitzende mit 55 zu 35 Prozent vorne. Im ZDF kommt sie auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren hier unentschieden.

    Eine gelöst wirkende Angela Merkel nach der Debatte.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
    Schulz wünscht sich ein weiteres Aufeinandertreffen mit der Kanzlerin im Fernsehen. "Ein zweites Duell wäre sicher sinnvoll gewesen", erklärt Schulz. "Ich bin auch gerne bereit für ein solches zweites Duell." Er bedauert, dass verschiedene Themen zu kurz gekommen seien. "Wir haben ganz wenig über die Digitalisierung diskutiert und Zukunftsfragen", sagt der SPD-Politiker. "Insgesamt hab ich den Eindruck, dass es ein faires Duell war."

    "Ich bin sehr zufrieden mit unserem Spitzenkandidaten Martin Schulz, er war sehr klar in allen Fragen", sagt die Ministerpräsidentin Malu Dreyer von Rheinland-Pfalz im Gespräch mit Deutschen Presse-Agentur. "Die Bürger konnten so den Eindruck gewinnen, dass Martin Schulz die Durchsetzungskraft und die Kompetenzen hat, Kanzler zu werden."

    Martin Schulz und seine Parteifreundinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig haben nach dem TV-Duell offensichtlich gut lachen - zumindest für die Fotografen.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
    Wie fand der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil das TV-Duell?

    Vertreter kleinerer Parteien zeigen sich enttäuscht: Man habe "ein Trauerspiel gemeinsamer Ideenlosigkeit gesehen", so Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn im ZDF. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner spricht von "zwei Umweltversagern". Auch "völkischer Hass" in der Gesellschaft, der zum Teil von einer Partei rechtsaußen geprägt werde, sei nicht thematisiert worden, erklärt er mit Blick auf die AfD. 

    FDP-Generalsekretärin Nicola Beer kritisiert, über Digitalisierung und Bildung sei nicht gesprochen worden. AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski meint, es seien keine Lösungen für Probleme angeboten worden.

    FAKTENCHECK: Schulz hat beim Thema Innere Sicherheit mit der Kriminalitätsrate in den Ländern konfrontiert. Aussage Schulz: "Kennen Sie das Flächenland, das 2016 die höchste Kriminalitätsrate hatte? (...) Sachsen-Anhalt. Ist CDU-regiert, seit 20 Jahren." Bewertung: Richtig und falsch.

    Die Fakten: Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2016 in dem ostdeutschen Bundesland 196.464 Straftaten erfasst. Damit kamen auf 100 Einwohner rund 8,7 Fälle. In keinem deutschen Flächenland war die Quote höher. An zweiter Stelle stand Nordrhein-Westfalen mit 8,2 Straftaten pro 100 Einwohnern. Allerdings verzeichneten die drei deutschen Stadtstaaten wesentlich mehr Verbrechen: Spitzenreiter war mit Abstand Berlin mit rund 16 Fällen pro 100 Einwohnern, gefolgt von Bremen (13,7) und Hamburg (13,4).

    Liebe Leserinnen und Leser, der Liveblog endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein. Kommen Sie gut durch die Nacht! 

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