Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt
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Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt

Auf dem Berliner Breitscheidtplatz ist ein Anschlag verübt worden. Es gibt mehrere Verletzte und Tote. Inzwischen ist der mutmaßliche Attentäter Anis Amri erschossen worden.

    Dieses Bild findet sich an vielen Orten in der Stadt: Werbeflächen frei von Werbung, dafür ein Ausdruck der Anteilnahme.


    Foto: Michael Kappeler, dpa

    Zwei Tage nach dem Anschlag herrschen Trauer und Anteilnahme in Berlin vor. Auch Flüchtlinge aus dem Irak legen Blumen an der Gedächtniskirche nieder.


    Foto: Britta Petersen, dpa

    Und ein Nachtrag vom Nachmittag: Der Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz wird mittlerweile mit Betonbarrieren geschützt. Und auch die Marktleitung in Basel hat Sperren aufstellen lassen.


    Foto: Paul Zinken, dpa

    Münsterplatz in Basel:


    Foto: Georgios Kefalas, Keystone

    Der als Attentäter von Berlin verdächtigte Tunesier soll nach einem «Focus»-Bericht zu einem Terrornetzwerk gehören, das offenbar seit 2015 Anschläge in Deutschland geplant haben soll.

    Es habe sich um den inzwischen inhaftierten Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa gebildet. Demnach soll es Pläne für Überfälle auf Polizeistationen, Hinterhalte für selbst alarmierte Beamte gegeben haben. Ein Sprengstoff-beladener Lastwagen, sollte in eine Menschenmenge gesteuert werden.

    Ein eingeschleuster verdeckter Ermittler des nordrhein-westfälische Landeskriminalamts (LKA) habe zudem berichtet, dass die Gruppe sich bereits Waffen mit Schalldämpfern beschafft habe, schrieb «Focus».

    Der dringend Tatverdächtige für den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, ist in der Hauptstadt über Monate auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft überwacht worden.

    Die Ermittlungen seien aufgrund von Hinweisen von Sicherheitsbehörden des Bundes eingeleitet worden, teilte die Berliner Ermittlungsbehörde mit.

    Es habe Informationen gegeben, wonach der in Nordrhein-Westfalen als «Gefährder» geführte Verdächtige einen Einbruch plane, um Geld für den Kauf automatischer Waffen zu beschaffen.

    Die Observierung im Zeitraum von März bis September dieses Jahres habe aber keine Hinweise auf ein staatsschutzrelevantes Delikt erbracht.

    Drei Tage nach dem Terroranschlag wird der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz am Donnerstag wieder geöffnet.

    Um 11.00 Uhr soll es eine Andacht in der  Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geben, wie der Schaustellerverband Berlin e. V. und die AG City mitteilten.

    Aus Pietätsgründen werde auf dem Weihnachtsmarkt auf grelle Beleuchtung und Partymusik verzichtet.

    Auch das Olympiastadion in Berlin ist besonders gesichert: Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat den SV Darmstadt 98 zum letzten Heimspiel in diesem Jahr zu Gast.


    Foto: Paul Zinken, dpa

    Foto: Paul Zinken, dpa

    Vor Beginn der Partie gedachten Spieler und Zuschauer im Berliner Olympiastadion den Opfern des Anschlags.

    Unterdessen bitten Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt um Mithilfe bei der Aufklärung zum Anschlag. Hinweise können auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes abgegeben werden.


    Screenshot: bka.de/dpa

    Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat bestritten, dass sich seine jüngste Kritik an der Sicherheits- und Zuwanderungspolitik gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) richtete:

    «Wir haben nach dem Anschlag in Berlin die Kanzlerin nicht kritisiert. Wir haben aber deutlich gemacht, dass es neben Trauer aber auch um Konsequenzen für die Sicherheits- und Flüchtlingspolitik geht», sagte Seehofer der «Welt».

     Zu seiner Überraschung sei dies als Drohung interpretiert worden, dass Treffen der Präsidien von CDU und CSU Anfang Februar in München abzusagen.

    «Solange es darüber Streit gibt, macht es noch keinen Sinn sich zu treffen», sagte Seehofer. «Wenn die Verständigung tatsächlich nicht möglich sein sollte, wäre es besser, dann zu sagen: Wir haben einen großen Dissenspunkt bei der Obergrenze, und die CSU setzt hier ihren eigenen Akzent.»

    In Tunesien verhörten Ermittler nach einem Bericht der Zeitung Al-Chourouk die Familie des mutmaßlichen Attentäters. Sie lebt demnach in der nordöstlichen Provinz Kairouan, einer Salafisten-Hochburg.

    Die Familie habe ausgesagt, dass sie keinen steten Kontakt mit Amri gehabt habe, seitdem er das Haus während der arabischen Aufstände Ende 2010 verlassen habe.

    Hier noch einmal ein kleiner Überblick:


    WAS WIR BISHER WISSEN Anis Amri kam im Juli 2015 nach Deutschland. Er tauchte erst in Freiburg, dann in NRW und schließlich in Berlin auf, wo er seit Februar 2016 überwiegend gelebt hat. Sein Asylantrag wurde im Juni dieses Jahres abgelehnt, er konnte wegen fehlender gültiger Ausweispapiere nicht ausgewiesen werden. Der 24-Jährige wurde in Berlin von März bis September dieses Jahres überwacht, Hinweise auf ein staatsschutzrelevantes Delikt ergaben sich aber nicht.

    WAS WIR BISHER NICHT WISSEN Wo ist Amri nach dem Ende der Observation in Berlin im September abgeblieben? Medienberichten zufolge sei er im Dezember untergetaucht. Seine Papiere sollen im Fußraum des Lastwagens gefunden worden sein. Doch wie kamen sie dorthin? Wurden sie absichtlich abgelegt - als Bekenntnis oder falsche Fährte? Oder gingen sie im Kampf mit dem polnischen Speditionsfahrer verloren, dessen Leiche auf dem Beifahrersitz gefunden wurde? 

    Unbeantwortet ist auch die Frage, was in den letzten Stunden im Leben des eigentlichen Lkw-Fahrers geschehen ist. Es heißt, er habe bis zum Attentat noch gelebt. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Die Rede ist auch von Messerstichen. Im Raum steht auch, dass er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen wurde. Möglich sei auch, dass der Fahrer dem Täter ins Lenkrad gegriffen habe. Und vor allem, wie genau konnte sich der Täter des Lastwagens bemächtigen?

    Auf der Suche nach dem terrorverdächtigen Anis Amri hat ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei im Berliner Stadtteil Kreuzberg einen Mann überprüft. Es habe sich aber nicht um den Gesuchten gehandelt, erklärt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Zuvor hatte der Berliner «Tagesspiegel» über die Kontrolle berichtet. Einen Medienbericht, wonach das SEK zwei Wohnungen gestürmt habe, wies Wenzel zurück. Der Einsatz habe nicht in einer Wohnung stattgefunden.


    SEK-Beamte der Polizei bei einem Einsatz. Symbolbild: Marius Becker, dpa/Archiv

    Zum mutmaßlichen Attentäter werden immer mehr neue Details bekannt. Er soll nach italienischen Medienberichten vier Jahre in Italien im Gefängnis gesessen haben. Anis Amri sei 2011 als Flüchtling nach Italien gekommen und in einem Auffanglager für Minderjährige auf Sizilien untergebracht worden, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Ermittlerkreise. In dem Lager habe er Sachbeschädigungen und «diverse Straftaten» begangen. 

    Nach Berichten der Zeitung «La Stampa» soll er das Auffanglager angezündet haben. Als Volljähriger wurde er den Informationen zufolge festgenommen, kam vor Gericht und wurde zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe sei er des Landes verwiesen worden, heißt es weiter. Bei der geplanten Ausweisung habe es jedoch Probleme mit den tunesischen Behörden gegeben. Amri habe Italien verlassen und sich nach Deutschland absetzen können. 

    Die Berliner Polizei hat bei Facebook den Fahndungsaufruf nach dem Verdächtigen unter anderem auch in arabischer Sprache veröffentlicht.



    Anis Amri soll sich im Internet über den Bau von Sprengsätzen informiert und direkten Kontakt zum IS gehabt haben. Das berichtet die «New York Times» unter Berufung auf Aussagen nicht näher genannter amerikanischer Offizieller. Unklar blieb zunächst, auf welchen Zeitraum sich diese Angaben beziehen. Dem Bericht zufolge stand Amri mindestens einmal über den Messengerdienst Telegram in Kontakt zum IS. Sein Name habe zudem auf der Flugverbots-Liste der USA gestanden.

    Wie nah stand Anis Armin der IS-Terrormiliz? Auf seiner Facebook-Seite, die inzwischen offline ist, folgte der Verdächtige etwa der verbotenen Salafistengruppe «Ansar Al Scharia» («Anhänger des islamischen Rechts»). Das meldet Rita Katz, Direktorin der US-Terrorbeobachtungsstelle Site, auf Twitter. Laut der Expertin haben sich ehemalige Mitglieder der Dschihadistengruppe dem IS in Syrien angeschlossen.

    Der zunächst festgenommene und später wieder freigelassene Pakistaner ist für seine Familie anscheinend nicht mehr erreichbar. Der Vater des 23-jährigen Flüchtlings sagt im Gespräch mit der pakistanischen Zeitung «Dawn», sein Sohn habe ihn nach der Freilassung nicht kontaktiert. Ein in Berlin lebender pakistanischer Aktivist namens Wajid Baloch aus Baluchistan, der Heimat des jungen Mannes, erklärte dem Blatt, der junge Mann sei auch nicht in seine Flüchtlingsunterkunft zurückgelehrt. Er selbst stehe mit dem Leiter der Unterkunft in Kontakt, das Telefon des 23-Jährigen sei aber ausgestellt.

    Auch das britische Boulevardblatt «Daily Mail» berichtet, der Mann sei für sein Umfeld nicht erreichbar und habe sein Telefon offenbar ausgeschaltet. Die Berliner Polizei verweist auf Anfrage auf die Bundesanwaltschaft, die für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar war.

    Unter den Todesopfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist auch eine israelische Frau. Dies bestätigt ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. Die israelische Botschaft kümmere sich um die Überführung der Leiche in die Heimat. 

    Ihr Mann, ebenfalls israelischer Staatsbürger, wurde bei der Attacke schwer verletzt. Er sei mehrmals operiert worden, schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr, berichtet die Nachrichtenseite «ynet». Das Ehepaar habe zwei erwachsene Kinder. Sie waren in Berlin, um bei der Identifizierung zu helfen.

    Wenn die Weihnachtsmärkte schließen und es keinen Anschlag gab, mache ich drei Kreuze.

    Diesen Satz soll Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine Woche vor dem Anschlag gesagt haben. Das berichtet die «Bild»-Zeitung.

    Foto: Michael Kappeler, dpa/Archiv

    Polizisten haben eine Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Emmerich durchsucht. Die Aktion am frühen Morgen, an der schätzungsweise 100 Beamte beteiligt waren, darunter Spezialeinsatzkräfte, war nach etwa einer Stunde beendet. Über das Ergebnis war zunächst nichts bekannt. Wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtet, soll der Verdächtige Anis Amri nach seiner Einreise nach Deutschland ab Juli 2015 in einer Asylunterkunft in Emmerich gemeldet gewesen, soll dort aber im Dezember 2015 abgetaucht sein.


    Bereits gestern hatten in der Nähe des Heimes Polizisten Position bezogen. Ein Sprecher der Polizei wollte sich zu der Durchsuchungsaktion nicht näher äußern und verwies auf den Generalbundesanwalt. Aus Karlsruhe war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

    Durchsuchungen in den frühen Morgenstunden auch in Dortmund: 



    CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer fordert Konsequenzen für die Asylpolitik. Der Fall zeige «wie unter einem Brennglas», wo die Defizite liegen, so Mayer im RBB-Inforadio. Das Aufenthaltsrecht und die Sicherheitsgesetze müssten verschärft werden

    Mayer fordert etwa eine Verlängerung der Abschiebehaft und begründet dies mit Blick auf den gesuchten Tatverdächtigen aus Tunesien: «Er konnte nicht abgeschoben werden. Er war sogar in Abschiebehaft, musste nach einem Tag wieder entlassen werden. Also, wir müssen deshalb die Dauer der Abschiebehaft verlängern.» Außerdem müsse Tunesien zum sicheren Herkunftsland ernannt werden. Dies hatten die Grünen im Bundesrat bisher verhindert.

    Die deutsche Ausgabe des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» macht ihr neues Heft mit dem Berliner Terroranschlag auf. Auf der Titelseite ist ein Lebkuchenhaus zu sehen, aus dem mehrere Gewehrläufe ragen. «Sie werden unsere Art zu leben nicht verändern», lautet der Text zum Bild des Zeichners Foolz.


    Foto: Charlie Hebdo/epa/dpa
    Die Informationen, die wir seit gestern bekommen, können einen nur erschüttern, wie die Behörden hier gearbeitet haben. Wichtig sei jetzt, den Verdächtigen so schnell wie möglich dingfest zu machen und danach die Vorgänge und Versäumnisse aufzuarbeiten. Danach müssten entsprechende Konsequenzen gezogen werden.

    Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet  im «Deutschlandfunk»-Interview.

    Europaweit wird fieberhaft nach dem Verdächtigen Anis Amri gefahndet. Auch die spanische Polizeieinheit «Guardia Civil» bittet die Bevölkerung um Mithilfe.



    Was weiß man bisher über Anis Amri? Dem Geburtsdatum zufolge, dass für ihn angegeben ist, wird er heute 24 Jahre alt. Er wurde von mehreren Behörden in Deutschland als islamistischer Gefährder beobachtet und verwendete mehrere Alias-Namen. Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger hatte Amri Kontakt zur radikal-islamistischen Szene gehabt.

    Die «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR berichten von Kontakten zum Netzwerk des kürzlich verhafteten Hildesheimer Salafisten-Predigers Abu Walaa - laut Jäger ein «Chefideologe» der Salafisten-Szene. Der 32-Jährige wurde am 8. November bei einer Polizeiaktion gegen ein überregionales salafistisch-dschihadistisches Netzwerk festgenommen. 


    «Mysteriöser Seelenfänger»: Ahmed Abdelasis A. alias Abu Walaa. Screenshot: Al Manhaj Media via Youtube/dpa

    SPD-Vize Ralf Stegner erteilt Unionsforderungen nach einer härteren Asylpolitik eine Absage. «Zu glauben, man kann mit ein bisschen Härte und Stammtischgeschwätz etwas bewirken, das ist wirklich großer Unsinn», so Stegner im «Morgenmagazin» des ZDF. Zuvor hatte CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach dem Koalitionspartner vorgeworfen, die Einführung von Transitzonen zu blockieren. Transitzonen seien mit dem deutschen Asylrecht nicht vereinbar, betont Stegner.

    Stegner spricht sich für mehr Polizeibeamte und einen besseren Datenaustausch in Europa aus. Die rund 500 Gefährder in Deutschland rund um die Uhr zu überwachen, sei nicht machbar. Für eine Fußfessel brauche es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass eine Person eine Straftat begehen wolle. «Wenn das der Fall ist, dann mag man über so etwas reden.»

    Neue Details zum Polizeieinsatz in Dortmund: Der WDR berichtet, dass es in den frühen Morgenstunden zu einem Anti-Terror-Einsatz gekommen ist. Zwei Wohnungen sollen durchsucht worden sein. Laut dem Sender habe es vier Festnahmen gegeben.


    Polizeieinheiten vor einem Haus in Dortmund. Foto: Stephan Schütze, dpa

    Blick auf den Breitscheidplatz: In Kürze soll der Weihnachtsmarkt wieder geöffnet werden. Es werden die letzten Betonsperren installiert.


    Foto: Rainer Jensen, dpa

    Zur Stunde wird mit einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche der Weihnachstmarkt wiedereröffnet. 


    Foto: Rainer Jensen, dpa

    Die Bundesanwaltschaft dementiert Berichte, dass es im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Lastwagen-Anschlag Festnahmen gegeben haben soll. Es fänden derzeit verschiedene Maßnahmen im Bundesgebiet statt, so ein Sprecher der Karlsruher Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Konkreter äußert er sich nicht. Die Bundesanwaltschaft fahndet öffentlich nach dem Verdächtigen Anis Amri.

    Hat der Terrorverdächtige Anis Amri zusätzlich zu seiner Geldbörse mit diversen Dokumenten auch sein Handy verloren? Das berichtet der «Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)» auf seiner Internetseite. Von offizieller Seite gibt es dazu bisher noch kein Statement.

    Der gesuchte Anis Amri ist nach Presseberichten schon als Schüler in Italien als Gewalttäter aufgefallen. «Er schuf in der Klasse ein Klima des Schreckens», schreibt die italienische Tageszeitung «La Stampa» über die kurze Zeit des Tunesiers an einer Schule in Catania auf Sizilien 2011. Der junge Mann habe dort Eigentumsdelikte, Drohungen und Körperverletzung begangen. Als man versuchte, ihn zur Raison zu bringen, habe Amri rebelliert. «Seine Geschichte als guter Migrant endete mit dem Versuch, die Schule anzuzünden», so das Blatt unter Berufung auf seine Strafakte. 

    Dem Bericht zufolge wurde Amri nach seiner Flucht aus Tunesien im Februar 2011 von der italienischen Polizei registriert. Obwohl er volljährig gewesen sei, habe er sich als minderjährig ausgegeben, weil er sich davon anscheinend Vorteile versprochen habe. Nach den Vorfällen an der Schule habe ihn die Polizei im Oktober 2011 festgenommen. Das italienische Innenministerium wollte die Informationen zunächst nicht bestätigen.

    Die Geldbörse, die auf die Spur von Anis Amri geführt hat, ist laut Berliner Polizei erst am Tag nach dem Anschlag an der Gedächtniskirche entdeckt worden. Die Fahrerkabine des Lastwagens, wo Ermittler die Hinweise auf den 24-Jährigen entdeckt hatten, sei erst nach der Bergung untersucht worden, so Polizeisprecher Winfrid Wenzel im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir können mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass es am Montag keinen Anhaltspunkt für den tunesischen Verdächtigen gab», erklärt Wenzel.

    Die Sicherheitsbehörden sollen nach Informationen des «Spiegel» vor Monaten vage Hinweise darauf gehabt haben, dass Anis Amri sich in der Islamistenszene als möglicher Selbstmordattentäter anbot. Wie das Hamburger Magazin berichtet, legen dies frühere Ermittlungen gegen mehrere Hassprediger nahe. Entsprechende Äußerungen von Amri aus der Telekommunikationsüberwachung (Internet) seien aber so verklausuliert gewesen, dass sie nicht für eine Festnahme gereicht hätten, schreibt der «Spiegel»

    Gut besucht: Der wiedereröffnete an der Gedächtniskirche Weihnachtsmarkt aus der Vogelperspektive.


    Foto: Michael Kappeler, dpa

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ruft bei einem Besuch in Afghanistan zum entschlossenen Kampf gegen den Terror auf. «Sie stehen dafür ein, dass wir uns nicht unterkriegen lassen vom Terror, dass wir uns wehren, gegen diejenigen, die die Menschen terrorisieren», so die CDU-Politikerin vor Soldaten auf einem Weihnachtsmarkt im Feldlager von Masar-i-Scharif. Die ganze Weltgemeinschaft müsse entschieden gegen den Terror vorgehen, sei es in Europa, im Nahen Osten, in Afrika oder auch in Afghanistan, sagt von der Leyen. 


    Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Camp Marmal in Masar-i-Scharif. Foto: Gregor Fischer, dpa

    UPDATE Laut «tagesschau.de» haben Ermittler an der Tür des Lkws, mit dem der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verübt wurde, Fingerabdrücke des Verdächtigen Anis Amri gefunden. «tagesschau.de» beruft sich dabei auf Informationen von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung»

    Der «Berliner Zeitung» zufolge soll es auch am Lenkrad entsprechende Spuren geben. Die zuständige Bundesanwaltschaft war auf dpa-Anfrage für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

    Deutsche und Polen wollen der Familie des getöteten polnischen Lkw-Fahrers helfen. «Wir kriegen Unmengen an Anfragen, wie man die Familie unseres Kollegen Lukasz finanziell unterstützen kann», schreibt Ariel Zurawski, Speditionsbesitzer und Cousin des Opfers, auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Der 37-Jahre alte Fahrer hinterlässt seine Frau und einen 17 Jahre alten Sohn. «Wir danken für jedes gute Wort, jeden Rat und jede Hilfe», schreibt Zurawski. «Es ist unglaublich, was für eine Kraft in Menschen steckt.» 

    Berichten zufolge soll der Pole dem Terrorverdächtigen ins Lenkrad gegriffen und dadurch möglicherweise ein größeres Blutbad verhindert haben. Für diese mögliche Heldentat sollte der Lkw-Fahrer nach Meinung vieler Internetnutzer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Dafür starteten sie im Netz eine Online-Petition. Der Antrag hat bereits mehr als 600 Unterstützer.

    Die Ermittler haben bislang keine Hinweise auf enge Kontakte des Terrorverdächtigen Anis Amri zum kürzlich verhafteten Salafisten-Prediger Abu Walaa. Der 24 Jahre alte Amri habe zwar in Salafistenkreisen verkehrt und sei auch in entsprechenden Wohnungen gewesen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Es gebe aber bislang keine Informationen darüber, dass der Tunesier ein wichtiges Teil eines salafistischen Netzwerkes sei. Der Salafist habe zudem zwar versucht, an automatische Waffen zu kommen. Es lägen bislang aber keine Erkenntnisse vor, dass er auch in den Besitz von Langwaffen gekommen sei, heißt es weiter.

    Während die Suche nach dem Verdächtigen Anis Amir weitergeht, verschärft sich die Sicherheitsdebatte. Der SPD-Innenexperte Uli Grötsch weist Unionsforderungen nach der Einführung von Transitzonen für Flüchtlinge und elektronischen Fußfesseln zurück. Diese «reflexhaften» Vorschläge habe die SPD schon in der Vergangenheit immer wieder abgelehnt, so der Bundestagsabgeordnete. «Ich frage mich schon, ob die Unions-Innenpolitiker unter politischer Demenz leiden.»

    FDP-Chef Christian Lindner kritisiert «katastrophale Fehler» der Behörden und erhebt auch Vorwürfe gegen NRW-Innenminister Ralf Jäger. «Es liegt offenbar ein Staatsversagen vor, das nicht toleriert werden kann», erklärt der NRW-Fraktionsvorsitzende auf dpa-Anfrage. «Es ist ein altes Muster von Herrn Jäger, dabei Verantwortung reflexhaft an andere wegzudrücken.» 

    Wer die Fehler zu verantworten habe, müsse präzise ermittelt werden. Lindner fordert: «Gefährder müssen zukünftig lückenlos überwacht werden. Dafür müssen die technischen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden.» Notfalls sollten ihnen elektronische Fußfesseln angelegt werden.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa/Archiv

    Auch in Mailand werden die Sicherheitsmaßnahmen - wie hier am Dom - erhöht.


    Foto: Matteo Bazzi, epa/dpa

    Auch eine Frau aus Italien ist bei dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ums Leben gekommen. Das bestätigt die Regierung in Rom. «Italien gedenkt Fabrizia Di Lorenzos, einer von den Terroristen getöteten Musterbürgerin. Das Land schließt sich tief bewegt dem Schmerz der Familie an», schreibt Ministerpräsident Paolo Gentiloni auf Twitter. 

    Außenminister Angelino Alfano erklärt, dass die deutschen Behörden die Identifizierung der 31-Jährigen abgeschlossen hätten. «Ich bin von Herzen der Familie und ihren Liebsten nahe und teile den enormen Schmerz», sagt Alfano.



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