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Am Anfang war das Bild von John in meinem Kopf, wie er von unten an die Eisdecke klopft. Dann ist die Geschichte entstanden.

Manuel Niedermeier ist Schriftsteller. Sein Debüt-Roman "Durch frühen Morgennebel"  wurde 2014 mit dem bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. In Regensburg hat der 31-jährige seinen Abschluss in Sprach- und Literaturwissenschaft gemacht - und das Schreiben für sich entdeckt. Momentan lebt und arbeitet er in Wien. Den Kugelschreibern hat er erzählt, wie ein Roman entsteht: von der ersten Sequenz bis zur letzten Seite. Außerdem hat er wertvolle Ratschläge für Regensburger Nachwuchsschriftsteller.

Manuel Niedermeier: Preisgekrönter Nachwuchsschriftsteller und Absolvent der Universität Regensburg. Foto: © Magdalena Fritsch 

Kugelschreiber: Herr Niedermeier, wie sieht momentan Ihr Alltag aus?

Manuel Niedermeier: Mein Alltag ist gerade zweigeteilt. Hauptsächlich schreibe ich gerade an meinem zweiten Buch. Nebenbei arbeite ich aber auch in der Wiener Buchhandlung, in der ich angestellt bin – dort bin ich hauptsächlich für Veranstaltungen zuständig. Dazu sollte ich eigentlich noch an meiner Dissertation schreiben. (lacht)

Sie schreiben also gerade an Ihrem zweiten Buch. Können Sie schon etwas über Titel oder Inhalt verraten?

Der Titel steht noch nicht fest, da gibt es einige verschiedene Ideen. Zum Inhalt: Das Buch wird eine Mischung aus Reiseroman, Gesellschaftsanalyse und Coming-Of-Age-Geschichte. Der Protagonist plant eine Weltreise. Er erfährt, dass Freund ebenfalls eine Weltreise mit einer fast identischen Route antritt und die beiden starten zusammen. Auf der Reise bekommen sie sich fürchterlich in die Haare und erleben nebenbei all das, was zu einer Weltreise gehört.

Nebenbei arbeiten Sie an Ihrer Dissertation. Was ist Ihr Thema?

Ich beschäftige mich mit Creative Writing in den USA und in Deutschland. Während man in den USA an beinahe jeder Universität Creative Writing als Studienfach belegen kann, gibt es im deutschsprachigen Raum nur wenige ausgewählte Adressen.  Mich interessiert, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Beinahe jeder bedeutende Schriftsteller in den USA hat sich akademisch mit dem Creative Writing auseinandergesetzt. Warum gibt es das in Deutschland nicht in dieser Form?

Können Sie von Ihrer Tätigkeit als Buchautor leben?

Nicht ausschließlich. Das ist generell in der Belletristik schwierig. In der Unterhaltungs- oder Fantasyliteratur sieht das vielleicht anders aus, aber von der Belletristik können in Deutschland nur die paar Autoren leben, deren Namen man auch wirklich kennt – alle anderen nicht.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem C.H.-Beck-Verlag? Haben Sie dort ein Manuskript eingeschickt?

Als ich noch in Regensburg studiert habe, habe ich an der Schreibwerkstatt teilgenommen, unter der Leitung von Professor Jürgen Daiber. Danach habe ich das Stipendium der Bayerischen Akademie des Schreibens bekommen, die unter anderem von Christiane Schmidt geleitet wird. Frau Schmidt arbeitet für den C.H. Beck Verlag und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mein Buch dort zu veröffentlichen.

Generell gibt es mehrere Möglichkeiten, zu einem Verlag zu kommen: Entweder, so wie in meinem Fall, über ein Stipendium ,dann über Agenturen, oder über Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften. Gute Literaturzeitschriften sind BELLA triste oder kolik.

Ein kleiner Einblick: Wie kann ich mir den Prozess des Erzählens vorstellen, von der ersten Sequenz bis hin zum fertigen Roman?

Tatsächlich hatte ich bei der Entstehung von „Durch frühen Morgennebel“ anfangs das Bild von John in meinem Kopf, wie er von unten gegen die Eisdecke klopft. So ist dann nach und nach die Geschichte darum herum entstanden, der Konflikt, die anderen Figuren. Für das Buch habe ich insgesamt drei Jahre gebraucht. Die Geschichte war komplett fertig, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe. Manche machen das anders, aber für mich ist es wichtig, vor dem Schreiben genau zu wissen, was passiert. Die Recherche war sehr aufwändig. Ich habe mich zum Beispiel intensiv mit dem Verhalten der Belugawale auseinandergesetzt, um die Figur des John mit Substanz zu füllen. (Anm. d.Red.: Der Protagonist John beschäftigt sich in "Durch frühen Morgennebel" in seiner Dissertation mit Belugawalen. Für das Schreiben habe ich dann ungefähr ein dreiviertel Jahr gebraucht, danach habe ich den Text noch einmal überarbeitet.
 
 
Wo kann sich ein junger Mensch mit dem Wunsch, ein Buch zu schreiben, Inspiration, Hilfe und Unterstützung suchen?

Für die, die an der Universität Regensburg studieren, ist die Schreibwerkstatt sicher ein sehr guter Einstieg, auch die Bayerische Akademie des Schreibens. Außerdem gibt es noch die Schreibwerkstatt Salamander als gute Adresse für Nachwuchsschriftsteller. Generell ist es typabhängig: Will ich lieber in einem stillen Kämmerchen schreiben und dann veröffentlichen oder will ich eine Text-Kritik im Rahmen einer Schreibwerkstatt? Das sind grundunterschiedliche Herangehensweisen. Grundsätzlich ist Literaturport eine gute Seite. Dort werden alle Stipendien des deutschsprachigen Raumes gesammelt und ausgeschrieben. Auch die puls-Dreier-Lesereihe vom Bayerischen Rundfunk kann ein gutes Sprungbrett sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

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